Schlagwortarchiv für: Ausgabe 04/2023

Organisationen müssen sich immer wieder verändern, um erfolgreich sein zu können. Doch wie soll man den Wandel angehen, zum Beispiel, wenn es um eine Veränderung der Führungskultur geht? Hier sind fünf mögliche erste Schritte als Inspiration: auf dem Weg zur guten Führungskultur.

„Schlechte Führung!“, enthüllt die Mitarbeitendenbefragung. Und: „Wir brauchen mehr Orientierung, mehr Dialog, mehr Bindung und wir wollen unsere Ideen einbringen!“, ist häufig der allgemeine Tenor, wenn im Unternehmen die Führung ein schlechtes Zeugnis bekommt. Der Ruf nach einer Veränderung der Führungskultur wird laut.

1. VERSTEHEN

Gut wird’s, wenn es gelingt, die Rückmeldung aus mindestens zwei Perspektiven zu analysieren.

Perspektive eins

Die erste Perspektive ist die interne Sicht mit der Zielsetzung, die Wahrnehmung der Mitarbeitenden zu plausibilisieren: Welche Strukturen, welche Mechanismen, welche Haltungen stehen hinter dieser Wahrnehmung? Was davon können die Entscheider:innen der Organisation selbst nachvollziehen, wo sehen sie selbst Handlungsbedarf – und mit welcher Zielsetzung?

Ganz praktisch: Ein externer Partner führt im ersten Schritt anonymisierte Interviews mit Mitarbeitenden und moderiert im nächsten Schritt eine Dialogrunde mit circa 10 bis 15 Führungskräften aller Ebenen. Warum macht das nicht die Organisationsentwicklung (OE) und/oder die Personalentwicklung (PE)? Weil bei derart sensiblen Datenerhebungen die Rückmeldungen erfahrungsgemäß mutiger und damit ehrlicher sind, wenn sie von einer neutralen Person entgegengenommen werden, als wenn unter Kolleg:innen personalisiert protokolliert wird. Im nächsten Schritt entwickeln PE, OE und Partner aus den Ergebnissen Hypothesen bezüglich erkennbarer Handlungspotenziale auf Struktur- und Verhaltensebene.

Perspektive zwei

Welchen Einfluss hat die Arbeit am Thema „guter Führung“ auf weitere unternehmerische Aspekte? Beispielsweise: Welche Herausforderungen des Unternehmensumfeldes (zum Beispiel Markt, Wettbewerb, Arbeitgeberattraktivität) werden ebenfalls
durch die Arbeit an der Führungsqualität beeinflusst und müssen berücksichtigt werden?

Aber auch: Was handelt die Organisation sich mit der konsequenten Umsetzung von „guter Führung“ ein? Zum Beispiel: Sind dann (noch) die richtigen Menschen auf den richtigen Positionen? Werden die richtigen Talente mit Führungsverantwortung betraut? Oder wo müssen Entscheider:innen, OE und PE gemeinsam über personelle Veränderungen nachdenken?

2. VEREINBAREN

OE und PE denken auf hoher Flugebene eine mögliche Leadership Journey vor, eine Art Entwicklungsprogramm. Eine gute Beschreibung der Analyseergebnisse und daraus abgeleitete Handlungsoptionen dienen als Arbeitsgrundlage für das nun diskursiv zu erringende Einvernehmen des Führungsteams.

Ganz praktisch: OE und PE erarbeiten einen ersten generalistischen Lösungsvorschlag im Hinblick auf inhaltliche Bausteine, Kostengerüst und Zeitgerüst: Welche Schritte sind zu gehen? Hier findet sich das erste wichtige „Quality Gate“, an dem sich entscheidet, ob es sich lohnt, den Weg weiterzugehen: Sind nicht alle Führungsverantwortlichen bereit,  alle Konsequenzen mitzutragen (Zeit, Geld, Geduld, Arbeit an sich selbst), ist eine Planung der nächsten Schritte an diesem Punkt bereits obsolet.

3. VERHANDELN

Wie sieht für dieses Unternehmen „gute Führung“ aus? Was braucht der Markt? Was brauchen die Mitarbeitenden? Darauf basierend erarbeitet das Führungsteam ein Set von fünf bis acht Werten, die künftig als handlungsleitend für Führen, Entscheiden
und Zusammenarbeiten gelten sollen. Zu jedem Wert gibt es Verhaltensanker, die beispielhaft vermitteln, welche Handlungen, welche Haltung im Sinne des neuen Leitbildes sind und welche nicht.

Ganz praktisch: In einem gemeinsamen Werte-Workshop erarbeiten Führungskräfte aller Ebenen einen für sie gültigen Kodex, moderiert durch externe Partner oder durch OE oder PE. In einer Brainstorming- Sequenz werden die Werte mit konkreten Verhaltensankern hinterlegt. Am Ende steht ein visualisierter, einvernehmlicher Blick auf den gemeinsam erarbeiteten Kodex, beispielsweise in Form eines noch in Skizzenform verfassten Plakates, das – in Reinschrift – als Grundlage für die Kommunikation
in die Organisation dient.

Besonders wichtig ist, dass es nicht nur um Verhalten gehen darf:

Ein Beispiel: Dürfen die jeweiligen Kostenstellen bisher ausschließlich genutzt werden, um bereichsinterne Ziele zu erreichen, ist es schwer, davon betroffene Führungskräfte von Kollaboration und systemischem Denken im Sinne des Gesamtunternehmens zu überzeugen. Fehlen der orchestrierte Blick auf Strukturen und daraus resultierende Verhaltensweisen, werden sich die betroffenen Akteure nur unter unnötig großem Energieaufwand anpassen – wenn überhaupt. Es muss auch an notwendige Strukturanpassungen gedacht werden.

4. VERSPRECHEN

Das Führungsteam stellt, unterstützt von OE und PE, sicher, dass die neuen Haltungen und Handlungen wirklich gelebt werden. Als Ausgangspunkt hierfür empfiehlt sich ein einfaches Self-Assessment der Führungskräfte, die mithilfe der selbstverantwortlichen Gap-Analyse „Mein Score zum jeweiligen Wert heute“ ihren individuellen Standort ermitteln und auf dieser Basis ihre Entwicklungsziele ableiten. Auch ein 360-Grad-Feedback wäre hierzu ein nützliches Instrument.

Mithilfe von regelmäßigen, langfristig geplanten Formaten wird im Rahmen einer bedarfsgerechten Führungskräfteentwicklung die Wirksamkeit des eingeschlagenen Weges überprüft oder es werden Hinweise auf alternative Maßnahmen gegeben – sowohl bezogen aufs Team als auch auf das Individuum.

5. VERÄNDERN

Eine bedarfsgerecht kuratierte Zusammenstellung von Interventionen, wie zum Beispiel:

  • Reflexionen und Retrospektiven im Führungsteam,
  • geplante Regel-Dialoge mit Mitarbeitenden,
  • individuelles Coaching,
  • Tandem- und Mentoring-Arbeit,
  • Reverse Mentoring und auch
  • kollegiale Fallberatung

stellt sichtbar sicher, dass die Arbeit an der Führungsqualität eine hohe Priorität genießt und die Entwicklung erkennbar Früchte trägt.

Die kontinuierliche Beteiligung der Unternehmenslenker:innen ist hier ein weiteres „Quality Gate“: Nur wenn sie sichtbar teilhaben – indem sie selbst erkennbar an sich arbeiten und dies offen kommunizieren –, wird sich die Organisation dem gesteckten Ziel nähern. Denn Menschen lernen durch Nachahmung. Nur wenn Führungskräfte Veränderungsfähigkeit vorleben und sich beispielsweise für ehrliche, mutige, bisweilen schmerzhafte Rückmeldungen aus ihren Teams öffnen, entwickelt sich die für eine Arbeitswelt so wichtige Dialogkompetenz über alle Ebenen hinweg: eben „gute Führung“.

 

 

 

Autorin

Sabine Kluge
ist Ökonomin mit den Schwerpunkten Strategie und Unternehmensführung, systemischer Business Coach und Autorin. Mit der Kluge + Konsorten GmbH begleitet sie Unternehmen bei der digitalen und kulturellen Transformation in Fragen der Strategie-, Personal-, Führungs- und Organisationsentwicklung.
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Strategieentwicklung in unsicheren Zeiten? Unternehmensstrategie kann gerade dann den Unternehmenserfolg sichern – wenn sie anpassbar bleibt. Dr. Alcay Kamis über „Strategieentwicklung in unsicheren Zeiten“.

Maryna Feierabend über die innere Stimme, auf die man sich öfter verlassen sollte, ihre Faszination für Wasser und was ihr bei der Zusammenarbeit besonders wichtig ist.

Was sagst du Menschen, die sich vor Veränderungen fürchten?

Alles rund um uns und wir selbst sind in einem kontinuierlichen Veränderungsprozess, auch wenn wir es manchmal nicht wahrnehmen. Ich würde den Menschen sagen, dass es sich zu fürchten nicht lohnt, gleichzeitig ist es aber absolut okay, manchmal Angst, Sorgen oder Zweifel zu haben. Wir haben eine innere Stimme, unsere Intuition, auf die sollten wir uns öfter verlassen. Die Furcht vor Veränderungen liegt meist in der Angst, etwas verlieren zu können oder verletzt zu werden. Vielmehr sollte man sich aber darauf konzentrieren, was man durch die Veränderung alles gewinnen oder bewirken kann. Ich würde den Menschen sagen: Bleibt optimistisch und geht mit offenen Augen durch die Welt.

Was würdest du gerne noch lernen?

Ich würde noch mehr über die Serendipität lernen, eine fast magische Kunst, die Zufälle, Menschen, Ereignisse, Fehler, Erfahrungen zu verknüpfen und daraus neue Ideen zu gewinnen. In einer sich so schnell verändernden Welt sind viele der aufkommenden Probleme so komplex, dass ein Großteil unserer Zukunft von Unerwartetem bestimmt werden wird. Ich möchte lernen, das Unerwartete zu erkennen und zu nutzen.

Was treibt dich im Beruf an?

Schon als Kind habe ich mich für das Thema Wasser interessiert. In der Grundschule habe ich Geschichten über einen Wassertropfen geschrieben, der um die Welt reist und eine außergewöhnliche Fähigkeit besitzt, sich zu verwandeln und anzupassen. Wasser hat sehr viele ungewöhnlich Eigenschaften und viele Geheimnisse. Wasser ist bis jetzt meine Passion geblieben. Ich bin Wasseringenieurin, Wissenschaftlerin und Netzwerkerin der Branche.

Wo oder wie kommst du am besten zur Ruhe?

Ich gehe schwimmen oder beschäftige mich mit Pflanzen im Garten.

Wo und wie vernetzt du dich am liebsten?

Die Menschen inspirieren mich. Ich vernetzte mich viel und sehr gerne. Aus diesem Grund initiiere und unterstütze ich Vernetzungsformate in meinem Freundeskreis und bei Hamburg Wasser. Ich gestalte und nehme auch teil an vielen nationalen und internationalen Veranstaltungen rund um die Themen Wasser und digitale Transformation. Vernetzung bedeutet für mich insbesondere, wie ich andere unterstützen kann. Es geht immer um ein Geben und Nehmen und natürlich um „Connecting the dots“.

Was ist dir in der Zusammenarbeit besonders wichtig?

Mehr als je zuvor müssen wir Menschen cross-funktional zusammenarbeiten, um gegen die aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel gemeinsam zu wirken. Auch hier können wir viel vom Wasser lernen: nicht nur an der Oberfläche bleiben, sondern die verborgenen Tiefen untersuchen (Neugier); die Unebenheiten des Geländes verstehen und ausgleichen (Flexibilität); ohne unseren Lauf zu verzögern, auch mal über die Steilwände in die Tiefe stürzen (Mut); Felsen, die im Verlauf im Weg sind, umfließen (Verträglichkeit); die Kraft besitzen, Tag und Nacht am Werk zu bleiben, um Hindernisse zu beseitigen (Ausdauer); uns mit anderen kleinen und großen Strömen verbinden (Vernetzung) und ganz gleich, wie viele Windungen wir auch auf uns nehmen müssen, niemals das Ziel aus den Augen verlieren (Purpose).

 

 

 

Autorin

Dr.-Ing. Maryna Feierabend
ist Referentin „Digitale Transformation“ bei Hamburg Wasser. Sie hat mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Wasserbranche und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: der Forschung, der NGOs, der Start-ups, Privatunternehmen und aktuell aus der Perspektive eines Versorgungsunternehmens. Ihr Herz schlägt für die Innovation und digitale Transformation des Wassersektors.
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Im vergangenen Herbst hat Vodafone eine digitale Plattform eingeführt, die als Eckpfeiler der Transformation des Unternehmens gilt. Grow ist das neue globale Recruiting-, Skill- und Lern-Ökosystem, das unter anderem das lebenslange Lernen und die Kompetenzentwicklung der Mitarbeitenden unterstützen soll. Personalchefin Felicitas von Kyaw erläutert im Gespräch die Bedeutung des Lernens für den Konzern, worauf man bei der Einführung von Grow besonders Wert gelegt hat und wie die Nutzung gefördert wird.

Grow ist seit November 2022 das neue globale Recruiting-, Skill- und Lern-Ökosystem von Vodafone. Es gilt als Eckpfeiler in der Transformation der Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten. Warum ist diese Transformation notwendig?
Die Welt hat sich noch nie schneller verändert als jetzt; sie verändert sich exponentiell. Wandel ist die einzige Konstante und betrifft mehr denn je auch unsere Arbeitsweisen. Neue Technologien treiben diesen Wandel an, in technischen und nicht-technischen Berufen. Roboter werden Kollegen, virtuelle Realität und künstliche Intelligenz unsere täglichen Begleiter. Diese und weitere Technologien beschleunigen die Transformation im Job, es werden sich ganze Berufsbilder sukzessive verändern und so rücken die Fähigkeiten von Mitarbeitenden in den Fokus. Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeitende müssen sich ständig neu erfinden, um zukunftsfit zu bleiben. Abschlüsse und Berufserfahrung sind keine für sich stehenden Kriterien mehr, um eine Rolle auszufüllen.

Und auch Vodafone befindet sich im Wandel: von einem Telekommunikationsunternehmen in ein Technologieunternehmen. Als Unternehmen und als Menschen werden wir die Veränderungen meistern, wenn wir uns kontinuierlich weiterentwickeln und lernen.

Was sind die Kernelemente von Grow?
„Grow with Vodafone“ ist ein globales Lern-, Skill- und Recruiting-System, wie du richtig gesagt hast. Es wächst stetig mit unserer Nutzung mit und passt sich an – unter anderem auf Basis des Nutzerverhaltens. Die Erstellung eines Skill-Profils ermöglicht es dem „intelligenten“ System, personalisierte Lern- und Entwicklungsempfehlungen zu geben.

„Grow with Vodafone“ besteht im Wesentlichen aus vier Säulen: „Grow your Skills“ und „Grow your Careers“, „Grow your Team“ und „Grow your Learning“.

Kannst du einmal kurz erläutern, was sich hinter den vier Säulen verbirgt?
Gerne. Mit „Grow your Skills“ können die Mitarbeitenden ihre Skills-Entwicklung selbst in die Hand nehmen, indem sie ihr eigenes Skills-Profil erstellen. Sie können im Profil eigene Skills angeben und den Fähigkeitsgrad selbst einschätzen.

Vodafone Grow (Erläuterung)

Mithilfe des Karriere-Planers in „Grow your Careers“ können Mitarbeitende erkennen, welche Skills sie gezielt weiterentwickeln, um ihren gewünschten Karriereweg zu verfolgen und ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Für Aufgaben bzw. Rollen gibt es Skillsets, anhand derer sie sich hinsichtlich ihrer Lernreise orientieren können.

Passende Lernempfehlungen bekommen sie nahtlos durch die Verknüpfung zu „Grow your Learning“ angezeigt. Dieses innerhalb von Grow integrierte KI-unterstützte Stellenportal ermöglicht ein intuitives, personalisiertes Erlebnis, das Rollen- und Lernempfehlungen auf der Grundlage der eigenen Skills, bisheriger Erfahrungen und Interessen gibt. Und das sowohl hinsichtlich der aktuellen Aufgabe als auch in Bezug auf zukünftige Rollen für die sich Mitarbeitende im Rahmen der persönlichen Weiterentwicklung interessieren.

Auch das Bewerbermanagement in „Grow my Team“ wird durch KI unterstützt und bietet unter anderem neue Active-Sourcing-Optionen für Recruiter:innen und Hiring Manager:innen. Ihre Zeit kann optimiert werden, indem die am besten geeigneten potenziellen Bewerbungen auf Basis der Skill-Profile hervorgehoben werden.

Eure Lernplattform soll die Lernerfahrung stärker personalisieren. Lernen soll einfacher und selbstbestimmter werden. Wie sieht das beispielhaft aus?
„Grow your Learning“ führt alle Lerninhalte aus unserer eigenen Bibliothek und von externen Anbietern an einem zentralen Ort für unsere Mitarbeitenden zusammen. Anhand von eigenen Aktivitäten, Likes, gespeicherten oder abgeschlossenen Trainings, Empfehlungen von Kolleg:innen, Peer Groups, angegebenen Interessen und Empfehlungen, die zum persönlichen Skill-Profil passen, bekommt jeder Mitarbeitende eine personalisierte Oberfläche gezeigt. Mitarbeitende können Einfluss auf die Auswahl nehmen, indem sie Empfehlungen ablehnen, besonders passende Elemente abspeichern oder mit einem Like versehen und dadurch ihr Skill- oder Interessenprofil anpassen.

 

Vodafone Grow (Screenshot)

Zusätzlich zum On-demand-Angebot mit einem Mix aus internen und externen Inhalten, hat der Mitarbeitende auch Zugriff auf den Katalog mit kostenpflichtigen Lernformaten, die meist als analoge und/oder virtuelle Klassenraumtrainings angeboten und über ein strategisch gesteuertes Lernbudget freigegeben werden müssen. In Zukunft soll der Fokus zunehmend darauf liegen, dass Mitarbeitende untereinander ihre Lern-Playlists austauschen.

Denkst du, dass es bei den meisten Mitarbeitenden eine Verhaltensänderung in Bezug auf ein selbstbestimmtes Lernen braucht? Welche Routinen werden sich ändern müssen?
Neue Skills kann man lernen. Die richtige Einstellung zum Lernen hingegen muss jeder mitbringen. Neugierde ist dabei eine Schlüsselkompetenz für persönliche Veränderung. Wir alle brauchen regelmäßige „Software-Updates“ für unsere Köpfe und ein Mindset-Shift von „alles wissen“ hin zu „alles lernen“. Denn Lernen bereichert. Wir wollen sowohl Freude am als auch einen spielerischen Umgang zum Lernen entwickeln. Dieses Umdenken ist für Führungskräfte und Mitarbeitende gleichermaßen wichtig.

Wir können Neugierde aktiv fördern, indem wir diverse Perspektiven stärken, zum Beispiel über cross-funktionale Entwicklung und Projektarbeit. Ebenso gelingt das, indem wir eine Haltung zulassen, die es erlaubt, offene Fragen zu stellen. Wir sollten uns gegenseitig zuhören und ermuntern, „out of the box“ zu denken.

Auch eine Kultur des ständigen Lernens fördert Neugierde. Ganz praktisch heißt das, Lernen zu einer „alltäglichen“ Sache zu machen, indem wir es in unseren Arbeitsalltag integrieren, durchaus auch „on the job“ oder anders formuliert: indem wir den Arbeitsort zum Lernort machen und Praxisnähe ermöglichen.

Gerade wenn Mitarbeitende ihre eigene Kompetenzentwicklung in die Hand nehmen sollen, braucht das doch eine Menge Selbstreflexion. Wie wird das gefördert?
Wir müssen unsere Mitarbeitenden zu „Selbstentwicklern“ werden lassen und dafür die persönliche Motivation nutzen. Gelerntes verliert durch Technologie als Treiber schneller an Gültigkeit als früher. Wir erleben, dass wir Wissen nicht mehr auf Vorrat halten können, weil sich Dinge schnell verändern. Ganze Berufsbilder fallen weg und so stehen unsere eigenen Fähigkeiten immer mehr im Vordergrund. „Wissen ist Gold“, sagte man früher. „Fähigkeiten sind das neue Gold“, sagt man heute. Und somit wird klar, dass man nie „ausgelernt“ hat, sondern Lernen ein dauerhafter, ja lebenslanger Prozess ist, der über die formale Bildungszeit hinausgeht.

Und dabei ist es ebenso wichtig, dass wir persönlich Verantwortung für unsere Lernreise und weitere Entwicklung übernehmen sowie regelmäßig über den Tellerrand schauen. Hierfür müssen wir aber zunächst unsere eigene Perspektive dazu verändern: Lernen nicht als Belastung zu erleben, sondern als Möglichkeit zu sehen. Die persönliche Lernreise fängt bei der eigenen Motivation an und bei den eigenen Interessen.

Die Selbstbestimmung, auch beim Lernen, ist wesentlich. Dabei mag es helfen, sich an die eigene Kindheit zu erinnern, in der wir zumeist mit offenen Augen durch die Welt gegangen sind und die berühmte „Warum-Frage“ gestellt haben. Diese Neugierde in uns als Erwachsene zu wecken, das ist eine wichtige Triebfeder. Damit das gelingt, wollen wir dem Lernen das „Müssen“ nehmen und es mit Alltagsnähe und einer gewissen Leichtigkeit angehen. Mit dem klaren Ziel, den Prozess und das Ergebnis des Lernens als Bereicherung zu betrachten.

Inwieweit wurde denn bei der Entwicklung der Lernplattform sichergestellt, dass sie intuitiv gut bedienbar ist und sich wirklich an den Bedürfnissen der Lernenden orientiert?
Eine Besonderheit an dieser Lernplattform ist, dass sie allen Lernenden eine individuelle Startseite bietet. Je nachdem welche Skills vorhanden sind und welche Interessen hinterlegt wurden, welche Trends es gerade gibt und welche Empfehlungen von Kollegen gesendet wurden: Es entsteht eine ganz persönliche Seite.

Außerdem sind wir mit einem MVP, einem Minimum Viable Product, gestartet. Das heißt, die Lernplattform hatte bereits zum Launch die notwendigsten Funktionen. Alles weitere wird mit zunehmender Nutzung entwickelt. Kundenfeedback wird über alle Vodafone-Ländergesellschaften hinweg gesammelt. Auf dieser Basis werden Optimierungsentscheidungen getroffen oder Funktionen weiterentwickelt. So erhält die Plattform regelmäßig technische Updates. Ein konkretes Beispiel ist, dass Lernende jetzt auch externe Inhalte in ihrer internen Lernhistorie mit wenigen Klicks dokumentieren können. Und sie behalten eine bessere Übersicht und können ihre Lernaktivitäten an einem zentralen Ort zusammenbringen.

Worauf zielt die Change-Begleitung? Ist die Akzeptanz schon erreicht?
Viele Mitarbeitende konnten wir überzeugen, die Plattform zu nutzen und Teil der Community zu werden. Ihr Feedback haben wir direkt in den ersten Wochen zur Verbesserung der Lernerfahrung verwendet. Woran wir als Organisation weiterarbeiten, ist, eine Kultur des ständigen Lernens zu fördern. Ganz praktisch Lernen zu einer „alltäglichen“ Sache machen. Das bedeutet auch, dass wir individualisierte Lernmöglichkeiten fördern wollen, damit die persönliche Zielsetzung und Motivation zum Tragen kommen können.

Fahrt ihr eine Kommunikationskampagne rund um Grow? Wie sieht die aus?
Unsere Kommunikationskampagne mit klaren Zielen stützt die Einführung von „Grow with Vodafone“. In der Pre-Launch-Phase im Herbst 2022 wurde die HR-Community von Vodafone-Deutschland exklusiv als „Friendly User“ bereits zur Plattform zugelassen. So konnten erste Verbesserungen kurzfristig erzielt werden und HR als Change-Begleiter sich vorab vertraut machen. Die Launch-Phase diente zur gezielten Aktivierung von Mitarbeitenden und Führungskräften, um sich erstmalig damit auseinanderzusetzen. Die aktuelle Vertiefungsphase hingegen fördert eine regelmäßige Nutzung. Und auch durch die Verbesserungen und neuen Content wollen wir die Nutzung intensivieren.

Welche Rolle spielen die Führungskräfte, wenn es um die Nutzung der Lernplattform geht? Sollen sie als Vorbilder vorangehen?
Entwicklung findet andauernd statt und nicht nur, wenn man in eine neue Rolle wechselt. Wie ich bereits erwähnte, wollen wir „Lernen“ in den Alltag integrieren und den richtigen Rahmen dafür schaffen. Dafür brauchen wir Führungskräfte, die mit gutem Beispiel vorangehen und die dabei unterstützen, Räume dafür zu gestalten, aber auch Individualität und persönliche Motivation der Mitarbeitenden berücksichtigen.

Werden ansonsten Multiplikatoren oder Key User eingesetzt, die die Bekanntheit und Nutzung der Plattform fördern?
Wir nutzen Lern-Playlists unserer Vorstände, um Einblicke in deren Fokusthemen in Bezug auf den Anker „Lernen“ zu geben. Mitarbeitende teilen ihre Erfahrungen in Team-Meetings oder in unseren Online-Foren. Und sie geben sich gegenseitig Tipps zur Nutzung.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Jan C. Weilbacher.

 

 

Autor

Felicitas von Kyaw
ist Geschäftsführerin und Arbeitsdirektorin bei Vodafone Deutschland und verantwortet den Bereich Personal. Sie hat umfangreiche Management-Erfahrung im Bereich Human Resources, Change und Transformation Management sowie im Umfeld Marketing und Sales. Die studierte Diplom-Volkswirtin ist zudem systemische Beraterin, Coach und seit 2017 Präsidiumsmitglied im Bundesverband der Personalmanager (BPM).
Der Kommunikationskonzern Vodafone liefert Internet, Mobilfunk, Festnetz und Fernsehen aus einer Hand. Mit über 30 Millionen Mobilfunk-, fast 11 Millionen Breitband-, nahezu 13 Millionen TV-Kunden und zahlreichen digitalen Lösungen erwirtschaftet Vodafone Deutschland einen jährlichen Gesamtumsatz von etwa 13 Milliarden Euro.
»Felicitas bei LinkedIn

Die rasanten Veränderungen der neuen Arbeitswelt verlangen die Fähigkeit, agil und in die Arbeit integriert zu lernen, um weiterhin erfolgreich zu sein. Mit einer agilen Lernkultur schaffen Organisationen den passenden Rahmen für New Learning. Im folgenden Beitrag „Mit Lernhacks zur agilen Lernkultur“ gibt es einige Lernhacks zu diesem Thema.

Fünf Fragen an Caroline von Kretschmann, geschäftsführende Gesellschafterin, Hotel Europäischer Hof Heidelberg

Bislang hat sich im Change Management noch kein Konzept als ultimativ richtig erwiesen. Veränderungen in Organisationen verlaufen höchst unterschiedlich. Deshalb sind die Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke der Verantwortlichen auch so verschieden. Uns interessiert die persönliche Perspektive von erfolgreichen Managern und Managerinnen. Diesmal stellt sich Caroline von Kretschmann unseren fünf Satzeröffnungen.

Meine bislang größte/wichtigste Business Transformation war …

… und ist die Ausrichtung unseres in dritter und vierter Generation geführten Familienunternehmens auf unsere Vision „Das herzlichste Luxushotel und das persönlichste 5-Sterne-Stadthotel Deutschlands zu werden“ sowie einen Ort zu schaffen, an dem Menschen glückliche Momente erleben. Dies beginnt für uns im Europäischen Hof in Heidelberg mit den Kolleginnen und Kollegen, die wir bewusst nicht Mitarbeitende nennen und die bei uns an erster Stelle stehen – noch vor dem Gast und weit vor dem Unternehmen. Uns treibt dieser höhere Sinn, der weit über das Ökonomische hinausgeht und als zentrale Idee sämtliche Energien im Unternehmen konzentriert.

Veränderungen von Unternehmen sind aus meiner Erfahrung im Wesentlichen geprägt durch …

… Ambivalenz: zwischen Veränderung und Kontinuität, zwischen Altem und Neuem, zwischen Stabilität und Instabilität, zwischen Lernen und „Ver-Lernen“, zwischen Vorgabe und Beteiligung, zwischen Angst und Zuversicht und so weiter. Ambivalenztoleranz und Ambivalenzkompetenz sind daher aus meiner Sicht wichtige Fähigkeiten in Change-Prozessen, die es erlauben, zwangsläufig auftretende Unsicherheiten und mehrdeutige bzw. widersprüchliche Situationen nicht nur zu ertragen, sondern diese zu integrieren und einen konstruktiven Umgang mit ihnen zu ermöglichen.

Die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren von Change Management sind für mich …

  1. Ein attraktives, begeisterndes Zukunftsbild, das die Veränderung abbildet und die Frage nach dem „Warum“ beantwortet. „Ohne Ziel stimmt jede Richtung“. Nach meiner Erfahrung:
  2. Eine klare, transparente und Vertrauen schaffende Kommunikation: Organisationen sind soziale Systeme, das heißt Kommunikationssysteme. Daher ist die Kommunikationskompetenz der Führung ganz grundsätzlich und insbesondere in Change-Prozessen einer der zentralen Erfolgsfaktoren. Kommunikation fokussiert die Aufmerksamkeit, schafft das für die Veränderung essenzielle Vertrauen, sorgt für die erforderliche Güte der Beziehungen und macht Betroffene bzw. „Opfer“ zu Beteiligten und im besten Fall zu „Urhebern und Urheberinnen“.
  3. Die Bereitschaft und die Kompetenz, mit den notwendigerweise auftretenden „negativen“ Begleiterscheinungen von Veränderung einfühlsam umzugehen: „Echtes Neues“ erzeugt immer auch Widerstand und Verunsicherung, da „Albewährtes“ infrage gestellt wird. Die Folgen dieser konstruktiven Destabilisierung und Irritation des „Alten“ sollten im besten Sinne empathisch aufgefangen und genutzt werden.

Nicht alles gelingt. Was ich bei Veränderungen in meiner Verantwortung künftig anders machen werde oder was ich durch Lernen aus früheren Fehlern heute bereits anders mache, ist …

… mich möglichst nicht mehr mit meinem oder unserem Ziel und dem angedachten Lösungsweg zu identifizieren, sondern offen zu sein für erwartbare und notwendige Variationen.

Obwohl und gerade weil man mit einem klaren Ziel oder einer eindeutigen Vision gestartet ist.

Mein persönlicher Tipp an eine Führungskraft, die Verantwortung für ein Veränderungsprojekt übernimmt, lautet:

Mein Tipp wäre etwas, das sich bei uns auch im Nachfolgeprozess als hilfreich erwiesen hat. Fokussiere einseitig nicht nur das Neue und was sich verändern soll, sondern achte auch auf das, was sich bewährt hat und stabil bleiben muss, damit Veränderung gelingen kann und anschlussfähig ist. Es lohnt sich, wie bei fast allem im Leben, die Balance und das Spannungsverhältnis zu wahren, zwischen Neuem und Altem, zwischen konstruktiver Destabilisierung und stabilisierender Kontinuität und zwischen Fluss und Form.

 

 

changement! Heft 03/2023

 

Autor

Dr. Caroline von Kretschmann
ist geschäftsführende Gesellschafterin des Europäischen Hofs in Heidelberg. Sie führt das 5-Sterne-Superior-Hotel in vierter Familiengeneration. Nach einer Lehre bei der Deutschen Bank Frankfurt studierte sie Betriebswirtschaft an der Hochschule St. Gallen, wo sie auch promovierte. Vor dem Eintritt ins Familienunternehmen 2010 war sie 15 Jahre als Strategie- und Organisationsberaterin tätig. Zudem gründete sie 2010 mit Melanie Frowein die Komplementärberatung DUE CONSULTANTS. Neben zahlreichen Ehrenämtern ist sie Vizepräsidentin des Verbandes „Die Familienunternehmer“.
»Caroline bei LinkedIn

Ihnen hat das Format „5 Fragen an…“ gefallen? Hier finden Sie einen weiteren Beitrag dazu: „5 Fragen an Laura Gersch, Allianz Versicherungs-AG“.

Veränderungsbegleiter und -begleiterinnen werden bald noch mehr zu tun bekommen. Denn ohne Zweifel werden GPT und andere KI-Modelle die Arbeitswelt massiv verändern.

Ursprünglich wollte ich diese Kolumne von ChatGPT schreiben lassen und die gewonnene Zeit für einen schönen Spaziergang nutzen. Aber das Schreiben hilft mir nun mal beim Denken, manchmal ist es auch Therapie. Das kann ich GPT (noch) nicht überlassen.

Der Hype um die KI-Software GPT von OpenAI ist groß – und das völlig zu Recht. Meiner bescheidenen Ansicht nach wird der Wandel so gewaltig wie die Veränderungen durch das Smartphone.

Was ChatGPT sagt, wie es die Arbeitswelt verändert*

Als künstliche Intelligenz mit einer Fähigkeit zur natürlichen Sprachverarbeitung hat ChatGPT das Potenzial, die Arbeitswelt auf verschiedene Weisen zu verändern. Hier sind einige Beispiele:

  • Effizientere Kommunikation: 

    ChatGPT kann Unternehmen dabei helfen, ihre interne und externe Kommunikation zu verbessern. Mitarbeiter können auf einfache und intuitive Weise mit ChatGPT interagieren, um schnell Antworten auf ihre Fragen zu erhalten und Aufgaben zu erledigen. Das spart Zeit und ermöglicht eine effizientere Zusammenarbeit.

  • Automatisierung von Routineaufgaben:

    ChatGPT kann bei der Automatisierung von Routineaufgaben unterstützen, die sonst von Menschen erledigt werden müssten. Das bedeutet, dass Mitarbeiter mehr Zeit für kreative und strategische Aufgaben haben, die einen höheren Mehrwert für das Unternehmen haben.

  • Verbesserung des Kundenservice:

    ChatGPT kann Unternehmen dabei helfen, ihren Kundenservice zu verbessern, indem es rund um die Uhr verfügbar ist, um Fragen von Kunden zu beantworten und Probleme zu lösen. ChatGPT kann auch dabei helfen, die Kundenzufriedenheit zu steigern, indem es personalisierte Empfehlungen und Lösungen anbietet.

  • Erhöhung der Datenqualität:

    ChatGPT kann dabei helfen, die Qualität von Daten zu verbessern, indem es Eingaben von Mitarbeitern und Kunden auf fehlerhafte oder inkonsistente Informationen prüft. Dies kann dazu beitragen, bessere Geschäftsentscheidungen auf der Grundlage von zuverlässigen und konsistenten Daten zu treffen.

* = Den Text hat ChatGPT erstellt.

Ich selbst hatte einen ersten kleinen Aha-Moment, als ich als absoluter Auto-Laie eine Information zu Stoßstangenlackierungen gesucht habe und bei Google nicht fündig wurde. ChatGPT wusste hingegen sofort, was ich wollte, und lieferte prompt eine Antwort, die mir geholfen hat.

Nur wenige Tage zuvor kam mir zu Ohren, dass die Firma einer Bekannten, ein Onlineshop, kurzfristig die Suche nach Textern für das Produktmarketing aufgegeben hatte, um stattdessen ihr Glück mit ChatGPT zu versuchen. Ordentliche Produktmarketing-Texte schafft die KI nämlich locker.

Anfang März wurde eine erste Studie des MIT zum Produktivitätseffekt von ChatGPT gemessen. Die Ergebnisse dieser kleinen empirischen Studie geben eine Ahnung, wohin die Reise geht. 450 Akademikern und Akademikerinnen (Marketeers, Personaler, Berater, Datenanalysten, Manager) wurden berufsspezifische Aufgaben gegeben, die einmal ohne und einmal mit Zugriff auf ChatGPT erledigt werden konnten.

80 Prozent der Probanden entschieden sich im zweiten Durchgang, ChatGPT für die Aufgabe zu verwenden, die sie im Durchschnitt 35 Prozent schneller als ohne den Zugriff auf die KI erledigten. Die Qualität des Outputs stieg laut Studie ebenfalls. Mit ChatGPT erhöhten sich sowohl die Gesamtnoten als auch die spezifischen Noten in Bezug auf die Qualität des Schreibens, des Inhalts und hinsichtlich der Kreativität.

ChatGPT wird das Arbeiten vieler Menschen im Büro erleichtern, effizienter und schneller machen. Man kann mit ChatGPT Dialoge führen und Dokumente analysieren lassen. Es kann aber auch selbst kreativ werden, zumindest ist es darauf trainiert, beispielsweise Geschichten oder Liedtexte kreieren zu können. Damit es in Unternehmen aber wirklich wirksam genutzt werden kann, ist es wichtig, dass die KI per API mit den Unternehmensdaten verknüpft wird. Auch das ist möglich.

GPT-4 ist noch viel leistungsstärker

OpenAI veröffentliche von seinem KI-Sprachmodell Mitte März die Version 4 – und die hat wirklich erstaunliche Fähigkeiten. GPT-3 nutzt 175 Milliarden Parameter. Das neue Modell soll angeblich mit einer Billion arbeiten.

GPT kann beispielsweise nun auch auf Bilder und Audio als Input reagieren sowie wesentlich längere Texte erstellen – und das alles in sehr guter Qualität. Das Modell hat auch schon aus einer krakeligen handgemalten Skizze für eine Webseite einen passenden Programmiercode und damit die fertige Webseite erstellt.

KI-basierte Tools werden den Arbeitsalltag durchdringen. GPT soll zum Beispiel mit Microsoft 365 verknüpft werden. Das passiert unter anderem in Form von Copilot, der Präsentationen, Texte und Mails erstellen kann und dabei auf bestehende Notizen oder Unternehmensdaten zurückgreift. KI wird uns helfen, auch ohne IT-Spezialwissen wiederkehrende Aufgaben zu automatisieren, Chatbots und Apps zu entwickeln. Wir sind dann nicht mehr nur einfache IT-Nutzer, sondern digitale Gestalterinnen und Gestalter. Diese Rollen-Transformation muss begleitet werden.

Natürlich gilt es vor lauter Euphorie nicht blind zu werden. Auch GPT-4 ist (im geringen Maße) noch fehleranfällig. Das wird allerdings nichts daran ändern, dass derartige Sprachmodelle Einzug halten werden in unser Arbeitsleben, nicht nur über Bürosoftware, sondern auch in wichtigen Geschäftsprozessen. Und genau das passiert gerade: im Kundenmanagement, bei der Erstellung von Marketingtexten oder um Programmierprozesse zu beschleunigen. Und die Entwicklung der KI-Modelle wird nicht einfach aufhören. Die Dynamik der Verbesserungen ist enorm.

Bei vielen Mitarbeitenden wird es sicherlich Ängste und Unsicherheiten geben. Jobs werden verschwinden. Für Change-Begleiter und Veränderungsexpertinnen bedeutet das: Es gibt was zu tun. Sie müssen sich mit der Materie auskennen und mit den Business-Verantwortlichen zusammenarbeiten, um die Einführung und Nutzung von Modellen wie GPT bestmöglich zu begleiten. Und es werden Diskussionen geführt werden müssen, in Unternehmen und in der Gesellschaft: Was darf KI? Und was soll definitiv in der Verantwortung des Menschen bleiben?

Und trotzdem werden Veränderungen kommen. Wir sollten uns ihnen nicht verschließen, sondern uns einbringen, den Umgang bzw. die Zusammenarbeit mit der KI trainieren und unsere Nische finden. Die Arbeit wird uns nicht ausgehen, da bin ich sicher. Aber wir müssen wandlungsfähig bleiben. Und ich persönlich werde auch weiterhin selbst meine Texte schreiben – weil Schreiben mein Denken ist. [JCW]

Als Chefredakteur von changement! schaut Jan C. Weilbacher kritisch auf Themen rund um Transformation und Change Management. (Bild Jan C. Weilbacher)

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