Tijen Onaran über das Durchhalten beim Laufen, den Wunsch, ihr Türkisch aufzufrischen, und darüber, wie die Chancengleichheit der Geschlechter gelingt.

Was sagen Sie Menschen, die sich vor Veränderungen fürchten?

Die Veränderung kommt – egal, ob man es möchte oder nicht. Entweder ich werde verändert oder ich verändere. Deshalb ist es immer ratsam, selbst Agenda-Setter zu sein. So kann ich die Veränderung zu meiner machen und verliere nicht.

Was haben Sie zuletzt gelernt?

Ich habe zuletzt gelernt, wie ich zehn Kilometer beim Joggen durchhalte. Laufen gehen war schon immer mein Sport, aber die zehn Kilometer zu knacken, war etwas ganz Besonderes.

Und was würden Sie gerne noch lernen?

Ich würde gerne mein Türkisch auffrischen. Meine Eltern haben mit meinem Bruder und mir hauptsächlich Deutsch gesprochen, da sie wollten, dass wir in Deutschland keine Probleme aufgrund der Sprache bekommen. Ich verstehe zwar viel im Türkischen, das Sprechen fällt mir aber schwer. Dabei ist es eine wunderschöne Sprache und ich bringe die Basis mit – definitiv also auf meiner Bucketlist!

Was ist der wichtigste Hebel, um echte Chancengleichheit der Geschlechter zu schaffen?

Der wichtigste Hebel ist, dass wir endlich vom Reden ins Machen kommen. Und zwar in allen Bereichen: Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Wer echte Veränderung will, schafft es auch. Das gilt ebenfalls für den Bereich der Chancengleichheit. Ich möchte nicht mehr darüber reden müssen, warum es mehr Frauen in Führung braucht, sondern wie es Unternehmen gelingt, genau das zu erreichen.

Wann macht Arbeit keinen Spaß?

Wenn ich anfange, dezidiert zwischen „Work“ und „Life“ zu unterscheiden. Für mich ist „Work“ „Life“. Deshalb bin ich auch kein Fan des Begriffs Work-Life-Balance. Unsere Lebenszeit ist viel zu schade, als dass ich Zeit in einem Job verbringe, der mir keine Freude bringt.

Wer sind oder waren Ihre Vorbilder?

Meine Vorbilder sind meine Eltern. Sie haben meinem Bruder und mir das Leben ermöglicht, das wir heute führen. Alles, was sie hatten, haben sie in uns investiert. Für mich ist es das größte Geschenk, ihnen heute ein wenig zurückgeben zu können: ob es die Einladung ins schönste Restaurant Karlsruhes ist oder das Abbezahlen ihrer Wohnung.

Wie finden Sie Ausgleich zu Ihrem Berufsalltag?

Indem ich mit meinen Hunden Pauli und Leo durch den Englischen Garten spaziere und mir lediglich darüber Gedanken mache, ob der eine Hund nach dem Schwimmen wieder trocken ist, bis wir zu Hause sind, und der andere wieder seine große Liebe Fritzi, eine Dackeldame, trifft. Das ist mein Yoga.

 

 

 

Autorin

Tijen Onaran ist Unternehmerin, Investorin, Autorin und eine der wichtigsten Meinungsmacherinnen Deutschlands, wenn es um Diversität, Sichtbarkeit und Digitalisierung geht. Sie ist Gründerin des Unternehmens „Global Digital Women“ und der Diversity-Beratung ACI, einem Beratungsunternehmen in Diversitätsfragen.
»Tijen bei LinkedIn

Die Frage nach psychischer Widerstandskraft ist keine Frage nach einem sporadischen Handeln oder dem Anwenden von Techniken. Es ist die Frage nach einer bewussten Haltung sich selbst und anderen wie auch dem Leben gegenüber.

Anzuerkennen, dass ich als erwachsener Mensch mein Leben und damit meine Gesundheit selbst in der Hand habe und verantworte, ist ein entscheidender Grundstein der dialogischen Haltung. Sich nicht als Opfer von Personen oder Lebenssituationen zu erleben, sondern die Fähigkeit zu besitzen, aus jeder Situation das Bestmögliche zu machen und in der Krise die Chance auf Wachstum zu sehen, ist Ausdruck von Resilienz und ist durch den Dialog möglich zu erreichen. Am Ende ist das „Was“ in unserem Leben wesentlich weniger entscheidend als das „Wie“: wie wir die Dinge angehen.

Dialog beschreibt Gleichgewicht und Gleichberechtigung: Ich selbst komme genauso vor wie der andere und das jeweilige Wir. Leben und Stärke entstehen durch Begegnung, die zu Wachstum führt. Das setzt voraus, dass ich mich in meinen Beziehungen nicht zum Maßstab nehme, sondern eine resiliente, dialogische Grundhaltung einnehme. Dies bedeutet anzunehmen, was ist, das heißt, Realitäten anzuerkennen und in der Begegnung mit Personen, dem System, der Situation und Tätigkeiten in den gleichberechtigten Austausch zu gehen – immer mit dem Ziel des gemeinsamen Wachstums.

Gesunde Systeme setzen gesunde Individuen voraus

Erschöpfung – ob systemisch oder individuell – entsteht durch Kampf.

Der Dialog sucht in der Verschiedenheit die Gemeinsamkeit und auf dieser Grundlage die Weiterentwicklung. Das bedeutet, dass alle
Beteiligten anerkennen, dass ich in der jeweiligen Beziehung den Part von einem Drittel einnehme. Systeme können nur dann gesund bleiben, wenn sie die Einzelnen mit ihren wesentlichen Bedürfnissen berücksichtigen.

Es setzt voraus, dass ich um meine Integrität weiß und dieser treu bin. Außerdem setzt es voraus, dass ich dazu bereit bin, gerade in den Situationen, die ich nicht beeinflussen kann, in die Akzeptanz zu gehen und zu schauen, wie ich mich darin weiterentwickeln kann, anstatt zu resignieren.

Ein Gleichgewicht zwischen Nehmen und Geben

Psychische Widerstandskraft entsteht nicht durch Widerstand, sondern durch die Bereitschaft, im Möglichen das Bestmögliche zu suchen. Das bedeutet, dass ich grundsätzlich anerkenne, dass ich nicht alles im Leben bestimmen kann. Ein zentraler Aspekt für ein Burn-out ist, dass Betroffene gegen Lebenssituationen – egal ob Scheitern, Verlust, Trennung oder auch Krankheit – vergebliche Kämpfe führen und sich darin erschöpfen.

Im Dialog zu bleiben, sorgt für ein Gleichgewicht zwischen Nehmen und Geben, auf das alle Beteiligten bewusst achten. Eine regelmäßige Reflexion, ob ich „auf meine Kosten komme“, verhindert, dass ich mich im einseitigen Geben verausgabe, und sichert die psychische Widerstandskraft.

Sechs Werte als Grundlage des Miteinanders

Einer der zentralen Aspekte für seelische Gesundheit und psychische Stärke ist eine gesunde Beziehungsatmosphäre. Ein regelmäßiges Innehalten und Reflektieren dessen, was ich innerhalb meiner Beziehungen aufnehme – aber auch abgebe –, ist eine gute Möglichkeit, die eigene Resilienz, aber auch die des Gegenübers zu sichern. Es gibt sechs zentrale Werte, die essenziell für menschliches Miteinander sind:

  • Interesse
  • Offenheit
  • Empathie
  • Augenhöhe, Respekt
  • Wertschätzung
  • Liebe

Krankheit und der Verlust von psychischer Widerstandskraft entstehen dort, wo diese Werte sukzessive verlorengehen oder fehlen. Dies ist ein schleichender Prozess.

Viel zu häufig wird eine vergiftete Atmosphäre als normal empfunden.

Sie wird erst durch mentale, emotionale oder auch körperliche Krankheitssymptome deutlich.

Beziehungsfähigkeit wird maßgeblich in den ersten Jahren angelegt – so, wie das Kind Beziehung erfährt, so lernt es, Beziehungen zu sich selbst und zu seinem Umfeld zu führen. Die Beziehungsatmosphäre des Elternhauses bestimmt maßgeblich die Resilienzentwicklung des Kindes. Erfährt dieses von Beginn an Interesse, Offenheit, Empathie, Augenhöhe und Respekt von seinen Eltern und damit verbunden die bedingungslose Annahme seiner Person, dann kann es auf dieser Grundlage eine gesunde Beziehung zu sich selbst entwickeln und Beziehungen auf Augenhöhe leben.

Die Bereitschaft für die Gegenwart

Je mehr die dialogischen Werte in den ersten Jahren fehlen, Annahme und Liebe an Bedingung geknüpft oder aber auch frühe Verlusterfahrungen gemacht werden, umso mehr werden ungesunde Beziehungsmuster entwickelt, die die Betroffenen im Erwachsenenalter in ihrer psychischen Widerstandskraft schwächen. Das Bewusstsein in Bezug auf die eigene Kindheit und auf die Verarbeitung kindlicher Wunden ist ein zentraler Punkt für resiliente Beziehungsgestaltung.

So erschöpfen sich Betroffene im späteren Leben deswegen, weil sie auf dem Boden des Wiedergutmachungsanspruchs früher nicht erfahrene Liebe und Anerkennung später vergeblich – zum Beispiel durch Leistung, Karriere oder Selbstaufopferung in privaten Beziehungen – wiedergutzumachen versuchen. Resilienz entsteht in der Bereitschaft, in der Gegenwart zu leben und die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Dialog ist mehr als verbale Kommunikation

Seelische Gesundheit ist die Entscheidung, die jeden Tag neu zu treffen ist.

Sowohl von den Beziehungspartnern als auch von den jeweiligen Systemen. Dass ich als erwachsener Mensch selbst meine Gesundheit in der Hand habe – sowohl im Privaten als auch in beruflichen Hierarchien –, setzt ein eigenverantwortliches Handeln voraus, sodass eigene und fremde Grenzen respektiert und auf Augenhöhe gelebt werden.

Die Bereitschaft, sich in den anderen einzufühlen – gerade dort, wo das Gegenüber zerstörerisch oder verletzend wirkt – und im Mitgefühl die befriedende Begrenzung zu suchen – anstatt durch eigene Destruktivität die Gewalt zu potenzieren –, ist ebenso entscheidend wie eine grundsätzliche Bereitschaft, den Wert und die Würde des Menschen zu schätzen. Das Bewusstsein, dass ich durch mein Handeln auf meine Gesundheit wie auf die Gesundheit des Gegenübers und des Systems einwirke, ist ein entscheidender Ansatz des Dialogs, der weitaus mehr als verbale Kommunikation ist.

Die Verantwortung liegt bei jedem selbst

Der dialogische Ansatz beinhaltet eine zentrale Aussage: Wir gemeinsam sind immer mehr als Ich und Du allein. Ich kann also nicht nur meine Resilienz beeinflussen, indem ich mich richtig verhalte, sondern wirke mit meiner Haltung ebenfalls auf die Gesundheit des anderen wie auf die des Systems ein. Wenn wir erkennen, dass Gesundheit nicht allein in der Hand des Gesundheitssystems liegt, sondern entscheidend mit werteorientiertem Handeln verbunden ist und in der alltäglichen Verantwortung eines jeden Einzelnen im täglichen Miteinander liegt, haben wir eine realistische Möglichkeit, die psychischen Erkrankungen und Erschöpfung des Einzelnen wie unserer Systeme zu reduzieren und zurück zu einem gesunden Boden zu finden.

 

changement! Heft 08/2022

 

 

Autorin

Dr. med. Mirriam Prieß ist Ärztin, Unternehmensberaterin und Autorin, die auf die Behandlungsschwerpunkte bzw. Themen Burn-out, Resilienz und Persönlichkeitsentwicklung spezialisiert ist. Sie war acht Jahre lang in leitender Funktion in einer psychosomatischen Fachklinik für die Behandlungsschwerpunkte Ängste, Depressionen und Burn-out verantwortlich, bevor sie sich der beratenden Tätigkeit in der Wirtschaft zuwandte. Literaturtipp: Die Kraft des Dialogs. Gelingende Beziehungen mit dem Dialogprinzip – privat, beruflich, zu mir selbst (Dr. Mirriam Priess, 2021, Südwest Verlag).
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Christoph Magnussen über den technischen Grundstein der modernen Arbeitswelt, seine Liebe zur Fotografie und welche Bedeutung Regeln in der Kommunikation haben.

Was sagen Sie Menschen, die sich vor Veränderungen fürchten?

Wo würden wir heute stehen, wenn unsere Vorfahren nicht neue Wege erkundet hätten? Veränderungen herbeizuführen, sie zu gestalten und auszuhalten, das ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens. Klar schreckt einen die Ungewissheit erst mal zurück. Aber wie geil ist das Gefühl, etwas Neues geschaffen zu haben?! Egal ob im Großen oder im Kleinen. Veränderung bedeutet, auf eine Reise zu gehen. Und meistens – gerade in Unternehmen – ist man dabei auch nicht allein.

Was würden Sie gern noch lernen?

Mein Motor ist die Neugier, der Wille, möglichst viele Dinge auszuprobieren und vor allem zu verstehen. Und das nicht nur in der Theorie, sondern in der Praxis. Deswegen würde ich gern mein Hobby Fotografie weiter vertiefen. Mit mehr Zeit und Muße könnte ich dann gerade bei analogen Fotos Bildaufbau und -entwicklung besser verstehen – und bessere Ergebnisse liefern.

Warum gehören „Cloud Tools“ zu New Work?

New Work bedeutet, das zu tun, was man wirklich, wirklich will. Dazu gehört auch, dass man an einem Ort arbeitet, an dem man gern ist oder sein muss, wenn es das jeweilige Lebenskonzept hergibt oder verlangt. Deswegen ist Flexibilität heute alles. Sie funktioniert im Sinne der Wertschöpfung – denn dafür ist Arbeit ja bei allen gewünschten Annehmlichkeiten nun einmal da –, aber nur wenn man „from anywhere“ mit anderen zusammenarbeiten oder etwa gemeinsam Dateien bearbeiten kann. Asynchrone, Cloud-basierte Kollaborations-Tools sind hier echte Gamechanger. Die wir erst wirklich wertschätzen, wenn sie mal „down“ sind. Kurz: Cloud Technologie ist ein wichtiger technischer Grundstein für die moderne Arbeitswelt.

Wo oder wie kommen Sie auf die besten Ideen?

Oft kommen die besten Ideen ja auch dann, wenn man gar nicht direkt über ein Problem nachdenkt, sondern etwas ganz anderes macht. Es kommt also auch vor, dass ich beim Autofahren, beim Sport oder beim Spielen mit meinen Kindern plötzlich Einfälle habe. Aber auch in dem einen oder anderen „YouTube-Rabbit-Hole“ finde ich Inspiration.

Was begeistert Sie an gelungener Kommunikation?

Kommunikation ist dann gelungen, wenn sie verstanden wird. Das hat am Ende wenig mit Kreativität zu tun, sondern vor allem mit Handwerk: Damit wir im Arbeitsalltag gut miteinander klarkommen, brauchen wir Regeln zur Kommunikation. Denn Kollaboration ist im Wesentlichen Kommunikation. Wann wird was, wie und wo mit wem besprochen? Wann reicht die Diskussion im offenen Chat und wann eine Direct Message? Wann muss man sich direkt ins Auge sehen oder wann reicht ein Zoom-Call oder Telefonat? Das muss klar sein. Dann gelingt Kommunikation.

Wie finden Sie Ausgleich zu Ihrem Berufsalltag?

Wann immer möglich, versuche ich, dem Alltag durch den Blick durch eine Kameralinse eine andere Perspektive abzugewinnen. Fotografie ist eine große Leidenschaft von mir. Wenn es die Zeit hergibt, dann finde ich den besten Ausgleich am Strand in Dänemark, bei einem Bier und mir selbst. Dann kann ich losgelöst und frei denken.

 

changement! Heft 08/2022

 

Autor

Christoph Magnussen lebt New Work und macht bei der von ihm gegründeten New-Work-Beratung Blackboat das, was er wirklich, wirklich will: Unternehmen dabei helfen, die Zusammenarbeit zu verbessern, damit Arbeit die Menschen als Individuen sowie als Kollektiv stärkt. Christoph Magnussen ist neben Michael Trautmann außerdem Mitbegründer und Co-Host des Podcasts „On the Way to New Work“ sowie Co-Autor des gleichnamigen Buchs.
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Teamarbeit gibt es in jeder Organisation – aber nicht jede ist erfolgreich. Wie unterscheiden sich die guten Teams von den anderen? Wir haben nachgefragt.

Dialog als Kernprozess

„Ein starkes Team erkennt man daran, dass dort eine Kultur der aktiven Kooperation und transparenten Kommunikation herrscht, die zu wirklich produktiven Arbeitsprozessen führt. Der Dialog ist der Kernprozess moderner, zukunftsgerichteter Organisationen und Teams. Gelingt es den beteiligten Personen, produktive Gespräche als einen zentralen Kernprozess zu implementieren und
zu nutzen, so findet nicht nur eine Vermehrung von intellektuellem und sozialem Kapital im Team bzw. in der Organisation statt, sondern es entsteht auch ein Wettbewerbsvorteil in einer zunehmend vernetzten und dynamischen Welt. Starke Teams sind aufmerksam für Veränderungen und können ihren Kurs gemeinsam schnell und angemessen korrigieren und neue Lösungen entwickeln, ohne
sich in ihrem Kern verunsichern zu lassen. Mit wertschätzenden Interviews kann die Organisation die bereits vorhandenen Stärken des Teams entdecken und ausbauen.“

 

 

Dr. Maike Reese
systemische Prozessberaterin und  freiberufliche Organisationsberaterin für Führungskräfte und Teams

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Schnell anpassen und lernen

„Noch nie war ein gutes Team so wichtig wie heute. Besonders in der aktuellen Zeit braucht es einen Ort, an dem man sich zugehörig fühlt und an einer gemeinsamen Vision arbeiten kann. Dafür sind aus meiner Sicht diverse Persönlichkeiten in einem Team essenziell. Erst durch vielfältige Denkweisen und Erfahrungen kann ein Team sich gegenseitig „challengen“, unterschiedliche Perspektiven einnehmen und Argumente schärfen, um am Ende gemeinsam zum Erfolg zu kommen. Ziel ist dabei, dass jede:r der bzw. die Beste seiner selbst sein kann. Das ist nur möglich, wenn Vertrauen die Basis ist. Gerade jetzt muss man oft mit anderen oder neuen Rahmenparametern umgehen können. Hier zeigt sich, wie stark ein Team wirklich ist. Es geht darum, sich schnell an neue Situationen anzupassen, gemeinsam zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Je besser die Zusammenarbeit, desto besser sind also die Ergebnisse.“

 

 

Friderike Schröder
CHRO bei Ratepay, verantwortlich für die Themen People und Organisation

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Raus aus der Komfortzone

„Ein gutes Team ist vor allem eines: divers! Denn nur durch Diversität kann es gelingen, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und nicht im eigenen Konsens-Dunst miteinander zu verschmelzen. Man weiß schon lange, dass mehr Diversität zu mehr (wirtschaftlichem) Erfolg führt; trotz allem entscheiden sich die meisten Menschen noch immer für die Komfortzone. Denn mit Menschen aus der gleichen Blase ist es einfach bequemer. Unbequem wird es meist (zumindest anfangs), wenn man über seinen Tellerrand hinausschauen muss, auf blinde Flecken aufmerksam gemacht wird und ein Diskurs nicht in einem Konsens endet. Aber: Man kann diesen Muskel trainieren, zum Beispiel das Konsent-Prinzip ausprobieren (die Frage nach Nein-Stimmen bzw. schwerwiegenden Einwänden) und sich somit trauen, neue Wege als Team zu gehen, auf die man allein niemals gekommen wäre. Und das lohnt sich immer, denn neue Wege führen zu neuen Lösungen.“

 

Virginia Thrun
systemischer Coach, Referentin und Geschäftsführerin der New Work People GmbH

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changement! Heft 07/2022

Der Change-Code: Intuition und Gefühle entscheiden

Wir fragen bei kreativen Menschen nach, warum es sich lohnt, sich mit ihren Produkten und Werken rund um Change und Transformation zu beschäftigen. Dieses Mal: Dieter Lederer, Autor von „Der Change-Code“.

Dieter Lederer (2022): Der Change-Code: Wie Menschen sich für Veränderungen begeistern und Unternehmen damit gewinnen, Wiley-VCH; 1. Edition

Um was geht es in wenigen Worten bei dem Buch?

„Der Change-Code“ entwirft die DNA erfolgreicher Transformation von morgen. Es geht um nichts weniger als einen Paradigmenwechsel: weg von der üblichen dysfunktionalen Rationalitätsdoktrin und dem Primat der Sachlogik hin zu einem emotional-intuitiven Verständnis davon, was Menschen brauchen, um sich für Veränderungen zu begeistern und darauf einzulassen. Es beschreibt die Prinzipien menschenorientierter Transformation samt sofort umsetzbarer Handlungsempfehlungen und lädt Führungskräfte zur intensiven Selbstreflexion und Erkundung ihrer eigenen Gefühle ein – als Basis für empathische Wirksamkeit.

Zitieren Sie doch mal Ihre Lieblingsstelle.

„Menschen für Veränderungen zu begeistern, kann einfach sein, überraschend einfach. Die erkenntnisleitende Frage dazu lautet: Was benötigen Menschen, um sich mit Begeisterung, mindestens aber vertrauensvoll auf neue Wege einzulassen, die sie vorher noch nie beschritten haben?“

Es gibt bereits viele Change-Bücher. Warum haben Sie trotzdem dieses Buch geschrieben?

Weil es dringend ein neues Denken und Handeln braucht, damit es mit dem Unternehmenswandel klappt. Nach wie vor gehen viel zu viele Change-Programme schief. Kein Wunder, liegt der Fokus der immensen Literatur doch auf der Organisation von Change und übersieht dabei die Menschen. Deren Intuition und Gefühle entscheiden jedoch weitaus mehr über das Gelingen als die perfekte Strategie und Orchestrierung. Genau das adressiert mein Buch, indem es auf konsequente Menschenorientierung setzt – und damit eine Lücke auf dem Markt der Change-Bücher füllt.

An wen richtet sich es?

An Unternehmer, Manager, Personalverantwortliche, Organisationsentwickler, Changemanager und andere Menschen, die Transformationsprogramme verantworten und engagiert zum Gelingen führen wollen.

Wer oder was hat Sie zuletzt besonders inspiriert?

Robert Habecks Umgang mit der aktuellen Krisensituation. Er kommuniziert kontinuierlich, leicht verständlich und nachvollziehbar.
Daraus entstehen Vertrauen und Verbundenheit.

Was finden Sie, ist richtig gut gelungen in dem Buch?

Vieles 🙂 Natürlich, dass es das derzeit einzige Buch ist, das umfassend auf Menschen und deren Bedürfnisse im Change fokussiert. Dass es die drei Säulen gelingender Transformation zu einem funktionierenden Konzept verbindet: Veränderungsstrategie, Führungsverhalten und Umgang mit Gefühlen. Dass es eine angenehm leichte Lektüre bietet mit vielen Praxisbeispielen und klaren Botschaften. Und dass es mittels der Kapitelessenzen in 15 Minuten „gelesen“ werden kann.

Autor

Dr. Dieter Lederer
ist Veränderungsexperte, Unternehmer, Investor und Musiker mit der Erfahrung aus mehr als 300 industriellen Change-Programmen. Sein Wissen über Unternehmenstransformation vermittelt er zudem als Vortragredner und Executive-Coach.
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changement! Heft 06/2022

 

Eine Menge Kompetenzen werden wichtig sein, um in der Arbeitswelt von morgen bestehen zu können. Aber welche Kompetenz sollte ganz besonders hervorgehoben werden? Wir haben nachgefragt.

Komplexität erklärbar machen

„Die (Business-)Welt, in der wir leben, wird vernetzter und komplexer. Jegliche Veränderungen werden dadurch immer schwieriger nachzuvollziehen und verursachen dann Ängste und Sorgen. Komplexität auf ein erträgliches Maß zu reduzieren und so Veränderungsvorhaben noch besser im Gesamtkontext erklärbar zu machen, wird aus meiner Sicht eine der Kernkompetenzen im Changemanagement sein.

Dabei ist es stets wichtig abzuwägen, was in der jeweiligen Situation das ‚erträgliche‘ Maß an Simplifizierung ist. Eine zu stark vereinfachte Darstellung der Realität im Sinne eines ‚Schwarz-Weiß-Schemas‘ ist ein Stilmittel zur Polarisierung, das in Change-Prozessen wiederum genau das erzeugen kann, was man eigentlich vermeiden will: Angst und Feindbilder.

Diese wieder abzubauen, ist dann innerhalb des Veränderungsprozesses eine Mammutaufgabe. Das Finden des richtigen Maßes an Komplexitätsreduktion ist also eine prophylaktische Maßnahme, um später aufkeimende Verunsicherung im Prozess zu vermeiden.“

 

Dr. h. c. Roland Bursy
Bereichsleiter HR der TÜV Nord Group, Dozent und Autor

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Ambiguitäten aushalten

„Klimawandel, Energie- und Ressourcenknappheit setzen die deutsche Wirtschaft unter einen enormen Transformationsdruck; Nachhaltigkeit steht dabei im Fokus. Transformative Kompetenzen sind zentral, um diese Herausforderungen unter der Berücksichtigung der Qualitätsunterschiede verschiedener Informationsquellen beurteilen, konkrete Ziele zur Veränderung entwickeln und mit innovativen Lösungen den Status quo infrage stellen zu können.

Eines ist dabei von besonderer Bedeutung: das Aushalten von Ambiguitäten zusammen mit dem Vermitteln zwischen verschiedenen Perspektiven. Die Zielkonflikte in den Unternehmen nehmen zu und Lösungen sind zunehmend mehrdimensional, interdisziplinär und müssen auf allen Beschäftigungsebenen gedacht und umgesetzt werden. Dafür werden transformative Kompetenzen in allen Wirtschaftszweigen und bei allen Beschäftigten benötigt.“

 

Dr. Mathias Winde
Programmleiter Future Skills des Stifterverbands

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Veränderungen als Chance

„Wir leben in sehr bewegten Zeiten – eine Krise folgt auf die nächste. Die Auswirkungen auf Beschäftigung sind teils disruptiv, teils noch nicht vollständig absehbar. Das führt bei vielen Menschen zu einem hohen Maß an Verunsicherung und Ungewissheit angesichts der eigenen beruflichen Zukunft. Auch Unternehmen fällt es immer schwerer, langfristig zu planen und ihren Beschäftigten klare Perspektiven aufzuzeigen.

In einem derart volatilen Umfeld kommt es vor allem darauf an, willens und in der Lage zu sein, sich wandelnden Bedingungen anzupassen. Zu einer solchen Anpassungsfähigkeit oder Adaptability gehört es, Veränderungen als Chance und nicht als Risiko zu sehen, die eigenen Kompetenzen immer wieder kritisch zu hinterfragen und bereit zu sein, sich im Laufe eines Berufslebens bei Bedarf mehrfach ‚neu zu erfinden‘. Letztlich kommt es auch darauf an, eine gewisse Gelassenheit mitzubringen.“

 

Prof. Dr. Jutta Rump
Professorin für Allgemeine BWL an der Hochschule Ludwigshafen

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changement! Heft 06/2022

 

Business Coaching ist angesagt. Doch in welche Richtung entwickelt es sich? Wir haben nachgefragt.

Mehr Krisenintervention

„Business Coaching wird sich künftig noch viel stärker als bislang mit Krisenintervention und der Einordnung akuter Belastungssituationen von Coachees beschäftigen müssen. In gut zwei Pandemie-Jahren mit ihren Herausforderungen, nun mit der größten Krisensituation, die Europa seit Jahrzehnten erlebt hat, mehren sich die Fälle, in denen Coachees vollkommen überfordert sind, emotionalen und mentalen Overload erleben. Und dabei geht es im Coaching nicht um Kompetenzentwicklung, sondern um empathische Zugewandtheit und um Krisenintervention. Das fordert von uns Coaches, dass wir unser Kompetenzprofil entsprechend stärken und uns noch mehr professionalisieren. Wir müssen in der Lage sein, jenseits der klassischen Business-Themen Klient:innen zu unterstützen, und noch aufmerksamer sein, was die Grenzbereiche zur Therapie angeht. Und umso wichtiger wird auch die Qualität der Ausbildung und des Angebots.“

Claudia Salowski
systemische Organisationsberaterin, Executive Coach und Autorin

 

Digitalisierung als zentrales Thema

„In meinen Coaching-Mandaten ist Digitalisierung auf der Vorder- oder mindestens auf der Hinterbühne der Anliegen der Klient:innen ein zentrales Thema. Business Coaching steht vor wichtigen Veränderungen. Analytics, Machine Learning, Automatisierung werden als Interaktionspartner in komplexe Transformationsprozesse integriert. Business Coaching muss in Bezug auf diese Entwicklungen anschlussfähig bleiben – oder werden. Notwendig wird ein mindestens grundlegendes Know-how zu IT-Technologie und Systemik. Coaches müssen ein Stück weit raus aus der Filterblase der reinen Humanzentrierung, um Partner auf Augenhöhe zu bleiben für Klient:innen aus Business-Projekten.
Business Coaching wird sich durch den verstärkten Einsatz digitaler Medien, Chatbots oder Analyse-Tools auch methodisch verändern. Coaches sollten deshalb neugierig bleiben, die eigenen Konzepte kontinuierlich prüfen und weiterentwickeln.“

Prof. Dr. Ulrich Lenz
Professor für Digitale Transformation und Coaching an der Hochschule für angewandtes Management

 

Existenzielle Fragen

„Noch nie war Führung so herausfordernd wie heute. Nicht nur die VUCA-Welt, sondern auch die Ukraine-, Corona- und Klimakrise beeinflussen Unternehmen in unvorhergesehenem Maße. Drehte sich Business Coaching bislang vor allem um Karriereangelegenheiten, so drängen sich nun existenzielle Fragen in den Vordergrund. Es geht nicht mehr um Sorgen wie die, der neuen Führungsposition nicht gewachsen zu sein, sondern um die Angst vor Krisen und Krieg. Es geht nicht mehr um die beste Strategie hinsichtlich der Platzierung eines neuen Themas, sondern um Wege, sich nach zwei Jahren Pandemie nun auch noch der Ukrainekrise zu stellen. Und es geht nicht mehr darum, Mitarbeitende zu besseren Leistungen anzuspornen, sondern sich so um ihre Kapazitäten zu kümmern, dass sie den Belastungen überhaupt noch standhalten. Business Coaching wird menschlicher werden, aber auch herausfordernder in einer von Krisen geschüttelten Zeit.“

Prof. Dr. Judith Mangelsdorf
Professorin für Positive Psychologie an der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport sowie Direktorin der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie

 

changement! Heft 04/2022

 

Altes loslassen, blinde Flecken wahrnehmen, persönlich wachsen: Svenja Hofert liefert in ihrem Plädoyer acht Gründe, warum Coaching für alle wertvoll sein kann.

Die Welt wäre eine bessere, wenn sich alle coachen ließen. Doch leider haben die, die an den Schalthebeln sitzen, oft besonders wenig Zeit oder Sinn für das, was Coaching ermöglicht: Reflexion und Persönlichkeitsentwicklung. Denn häufig besteht ein Missverständnis über das, was Coaching ist: Es ist weder Zielerreichungsmaschine noch Speed-Lösungsfabrik.

Unsere Persönlichkeit wächst und wandelt sich, ist stetig im Werden. Das braucht Pflege und Begleitung, die ganz unterschiedlich aussehen kann: Mal geht es ums Abgrenzen, mal ums Umpflügen, dann wieder ums Anbauen und Ausmisten. So wird Coaching zur Lebens- und Berufseinstellung, bei der Probleme und Ziele keine zwingende Voraussetzung mehr sind. Im Folgenden habe ich acht Gründe zusammengetragen, warum Coaching aus meiner Sicht so wertvoll ist.

1. Ordnung: Coaching sortiert

Im Hamsterrad ist nie genug Zeit. Wer Erlebnisse, Gedanken, Gefühle und die eigenen Entscheidungen nicht sortiert, steht irgendwann vor einem riesigen, unübersichtlichen Berg, der hinter jeder Kurve eine Überraschung parat hat.

Gerade erfolgreiche Fach- und Führungskräfte verlieren oft den Bezug zu ihren eigenen Bedürfnissen. Wie sieht es überhaupt in mir aus Welche Möglichkeiten sehe ich, welche nicht?

Coaching kann eine innere Inventur sein, aber auch ein Aufräumen.

Je öfter man sich coachen lässt, desto vertrauter ist einem das eigene Innere. Das Sortieren wird leichter. Viele Menschen entwickeln ihre inneren Strukturen ganz einfach: indem sie mit jemanden sprechen, der einfach nur aufmerksam und achtsam zuhört.

2. Zielfindung: Coaching gibt dem inneren Kompass eine Richtung

Ziele sind selten eindeutig und klar. Oft gilt es, sie erst herauszuarbeiten. Was will ich eigentlich wirklich? Und welche Kriterien lege ich bei Zielkonflikten an? Jeder kennt die Situation, wenn man sich immer wieder im Kreis dreht. Wie gut kann dann eine leichte Kursänderung oder auch ein Umdrehen tun! Manchmal geht es einfach nur darum, Ziele loszulassen, die einem nicht guttun. Dann braucht es jemanden, der einen selbst immer wieder als Kapitän:in auf das eigene Schiff holt.

3. Zielerreichung: Coaching macht erfolgreich

Zu groß denken oder zu klein: Es sind die eigenen Ansprüche, die Erfolg ermöglichen, aber auch verhindern. So normal es ist, dass widersprechende Verhaltensweisen genau das sabotieren, was man doch so gern erreichen möchte. Dazwischen grätschen all die „Mindfucks“ und schädlichen Glaubenssätze, die die Gedanken in Geiselhaft nehmen. Es ist wunderbar, schädliche Gedanken einzufangen, anzunehmen, loszulassen und die gestiegene mentale Kraft zu spüren.

4. Feedback: Coaching öffnet neue Fenster

Je weniger blinde Flecken wir haben, desto klarer unser Selbstbild.

Coaching ist auch eine gute Gelegenheit, die Rückmeldungen von anderen zu reflektieren – oder auch aktiver zu suchen. Gleichzeitig stärkt Coaching das Selbstbild, wenn im Mittelpunkt nicht nur die Frage steht „Wer bin ich?“, sondern auch „Wer will ich werden?“. Die eigene Tendenz, sich selbst zu begrenzen, kann sich in Luft auflösen, wenn innere Schranken fallen.

5. Altes loslassen: Coaching schafft den Boden für eine neue Saat

„Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit gehabt zu haben“ – ob dieser Satz nun Ruth Cohn oder Erich Kästner zugeschrieben werden kann (oder beiden): In ihm liegt eine äußerst heilsame Wahrheit. Denn die künftigen Möglichkeiten liegen auch in einer Neubetrachtung der eigenen Vergangenheit. Die Reflexion über die Vergangenheit ist deshalb vor allem dann hilfreich, wenn die bisherige Betrachtungsweise selbst beschränkt.

6. Neues entstehen lassen: Coaching lässt neue Samen aufgehen

Wir neigen oft dazu, immer die gleichen Wege zu gehen, ähnliche Gedanken zu denken und den bisherigen Vorlieben zu folgen. Dabei entsteht Neues häufig dort, wo man noch nie gewesen ist. Deshalb regt Coaching auch an, ermutigt, etwas auszuprobieren und widersprüchliche Emotionen und Gedanken anzunehmen. Denn wenn Neues entsteht, ist das Alte immer noch präsent und kann nicht einfach ausgeschaltet werden. Gutes Coaching ist deshalb immer auch ein motivierendes Framing für Veränderung. Es deutet auf die Sonne und das Licht, wenn wir diese noch nicht sehen können. Zugleich stärkt es die Durchhaltekraft, denn gerade Veränderung braucht die prozessuale Begleitung.

7. Entwicklung: Coaching lässt reifen

Ein reflexionsorientiertes Coaching hat immer eine narrative Komponente:

Die eigene Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft werden neu interpretiert.

Das ist wie eine Verbreiterung der eigenen Oberfläche: Wir gewinnen mehr Perspektiven und werden differenzierter in unserer Wahrnehmung sowie flexibler in unseren Verhaltensweisen. Das ist die Basis für einen entspannteren Umgang mit schwierigen Situationen – und mit sich selbst. Kleine und große Krisen können so viel produktiver verarbeitet werden.

8. Sinn: Coaching trägt zu einer besseren Welt bei

Reflektierende Menschen kommen früher oder später auch zum Sinn, den sie dem Leben geben wollen. Die kleinen oder großen Despot:innen und Tyrann:innen dieser Welt werden diesen Punkt nie erreichen. Deshalb ist Coaching immer auch Prävention vor Machtmissbrauch. Es schützt nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Gesellschaft vor schädlichen Verhaltensweisen, die aus Zwängen oder engem Denken entstehen. Es lohnt sich also nicht nur für die, die sich coachen lassen, sondern auch für alle anderen.

 

changement! Heft 04/2022

 

Autorin

Svenja Hofert
ist Geschäftsführerin eines Hamburger Aus- und Weiterbildungsinstituts. Sie beschäftigt sich mit der Psychologie der Veränderung, hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und coacht seit einem Vierteljahrhundert. Ihr neuestes Buch heißt „Business Slowdown. Co-kreativ führen in postagilen Zeiten“.
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Wir fragen Menschen nach ihren Quellen der Inspiration und bitten sie, fünf davon mit uns zu teilen. Marcus Reif liebt Sport und das regelmäßige Bloggen. Seine ehrenamtliche Tätigkeit bringt ihn auch beruflich weiter.

1 FOMO (Fear of missing out)

Die Flut an Nachrichten ist mindestens seit den sozialen Medien überwältigend. Seit vielen Jahren stoße ich auf tolle Nachrichtenportale, super geschriebene Blogs, You-Tube-Kanäle, Podcasts, E-Paper, Hörbücher und Communitys. Man kann alle Angebote gar nicht kontinuierlich im Blick haben und verpasst leider im hektischen Alltag etliche gute Beiträge. Deshalb sammle ich alle diese tollen Plätze im Internet in meinem Feedly-RSS-Reader und arbeite diesen täglich ab. So verpasst man nicht den besten Content für die eigenen Themen, der kommt nämlich nicht immer von den großen Medienportalen.

2 Bloggen

Das Schreiben eines eigenen Blogs gleicht einer Katharsis. Gerade während der Anfangszeit der Pandemie galt es, sowohl viele sich schnell ändernde Regeln in die Personalarbeit zu überführen als auch dabei den Kolleginnen und Kollegen Halt und Orientierung zu geben. Mir hilft das regelmäßige Bloggen sehr, die eigenen Gedanken zu sortieren. Und wenn ich dabei inspirieren oder Gedanken anstoßen kann, freue ich mich doppelt.

3 Ehrenamt

Ein Löwenanteil meiner Freizeit wird für Ehrenämter investiert. Seit 25 Jahren wirke ich in einer Partei, bin seit 20 Jahren Mandatsträger in meiner Heimatstadt und eine Dekade auf Landkreisebene in der Kommunalpolitik aktiv. Seit nunmehr 13 Jahren bin ich auch Fraktionsvorsitzender und kümmere mich in meiner Heimatstadt mit 22.000 Einwohnern um die großen und kleinen Themen. Das erdet ungemein und bietet so viele neue Facetten, die mich auch beruflich weiterbringen. Darüber hinaus bin ich aktiver Rotarier.

4 Sport

Nach einigen Jahren des Nichtstuns bin ich mittlerweile regelrecht süchtig nach Sport. Jeden Tag steht Sport auf meinem Programm. Ohne mein Fitnessstudio hätte mich die Pandemie sicherlich noch tiefer runtergezogen. Neben des täglichen Work-outs golfe und jogge ich regelmäßig. Das ist ein guter Ausgleich zum Pandemie-Office.

5 Learning Nuggets

Lebenslanges Lernen ist keine Plattitüde. Jede Woche gönne ich mir ein Nugget, einen besonderen Anlass, etwas Neues zu hören. Ob es ein
Webinar ist, ein Austausch mit anderen Personalern und Personalerinnen, ein fachlicher Podcast, eine virtuelle Konferenz oder ein Workdate. Wir leben in einer volatilen Welt, in der die Planbarkeit nicht mehr mit Jahreszielvereinbarungen und Jahresendgesprächen
zusammenpasst. Es ist gut, wenn wir täglich versuchen, mit der Entwicklung Schritt zu halten.

 

changement! Heft 03/2022

 

Autor

Marcus K. Reif
ist HR-Direktor bei einer internationalen Bank. Er betreibt zudem den Blog Reif.org. Seine Schwerpunkte sind: New Work, Leadership, Organisation des Personalwesens, Recruiting und Employer Branding.
»Marcus bei Linkedin

Wie in gesellschaftlichen Bereichen ist die Nutzung der sogenannten gendergerechten Schreibweise auch in der Wirtschaft umstritten. Wir haben zwei Kommunikationsmanager:innen gefragt, warum ihr Unternehmen explizit (k)eine gendergerechte Sprache nutzt.

Wertschätzung der Sprache

„Wir haben uns bei Trumpf bewusst dazu entschieden, auf das Gendern zu verzichten. Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller, eine Germanistin, die über Erich Kästner promoviert hat, schrieb dazu im vergangenen Jahr im internen Mitarbeitermagazin: ‚Wir behalten die vollständige Schreibweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die eine Wertschätzung der Sprache an sich ist, auch in Zukunft im Unternehmen bei und verzichten in unserer Außen- und Innendarstellung auf Sternchen oder Doppelpunkte.‘

Unser Personalchef Oliver Maassen hat diese Richtungsentscheidung in einem Gastkommentar für das Handelsblatt aufgegriffen: ‚Ob wir echter Gleichberechtigung und Toleranz dadurch näherkommen, dass nun in Radiosendungen kurze Sprechpausen innerhalb der Worte eingelegt werden, ob wir inklusiv handeln, wenn wir etwas tun, was dem Sprachgefühl der meisten Menschen zuwiderläuft, erscheint mir zumindest fragwürdig. Vermutlich riskieren Medien und Politik sogar das Gegenteil des Gewünschten, nämlich als elitär und bevormundend wahrgenommen zu werden.‘ Auf dieser Basis kommunizieren wir fortan bei Trumpf ganz selbstverständlich.“

 

Andreas Möller
Leiter Unternehmenskommunikation, Politik, Marke bei Trumpf

 

Minderheiten unterstützen

„Vielfalt und Gleichberechtigung sind für uns bei Otto ein hohes Gut. Um das auch sprachlich deutlich zu machen, setzen wir seit 2019 in unserer internen und externen Kommunikation das Gendersternchen ein – im Marketing, im HR-Bereich und auch schon teilweise in der Kommunikation mit unseren Kund*innen. Man kann eine gendergerechte Sprache anstrengend, oll und unästhetisch finden, es gibt sicherlich auch valide Argumente gegen das Gendern. Aber allein der Versuch, alle Menschen gleichwertig anzusprechen – Männer, Frauen und non-binäre Menschen – ist aus unserer Sicht diese Mühe wert. Mehrheiten sollten Minderheiten nicht nur schützen, sondern auch unterstützen. Eine inklusive Sprache gehört dazu.“

 

Linda Gondorf
Chefin vom Dienst in der Otto-Unternehmenskommunikation und Mitglied der Projektgruppe Gendersprache bei Otto

 

 

changement! Heft 03/2022