Menschen weltweit nutzen ChatGPT und sind fasziniert von den Möglichkeiten des KI-Modells. dm-drogerie markt hat auf die Veröffentlichung schnell mit der Entwicklung eines eigenen Modells reagiert: dmGPT. Der digitale Assistent hilft zum Beispiel bei der Texterstellung oder der Vorbereitung von Workshops. Die Integration in die Arbeitsweise wurde durch die dialogische Unternehmenskultur erleichtert – das heißt auch: Eventuelle Ängste können offen thematisiert werden.
In der heutigen digitalen Zeit hat die Interaktion zwischen Mensch und Maschine eine erstaunliche Transformation erlebt. Ein herausragender Faktor in dieser Entwicklung ist zweifellos ChatGPT – der künstliche intelligente Chatbot hat sich mittlerweile als vielseitiger und zuverlässiger Gesprächspartner und Assistent erwiesen. Menschen weltweit nutzen ChatGPT aus verschiedenen Gründen und sind gleichermaßen von seiner Funktionalität und Anpassungsfähigkeit fasziniert. Von der Unternehmenskommunikation bis zur persönlichen Unterstützung im Alltag – ChatGPT ist ein flexibler Assistent, der immer bereit ist, Fragen zu beantworten, Ratschläge zu erteilen und Informationen bereitzustellen.
Initiative von engagierten Kolleginnen und Kollegen
Seit seiner Erscheinung sind viele Menschen von den vielfältigen Möglichkeiten, die ChatGPT bietet, mehr als angetan. Im Unternehmenskontext gibt es durch die Nutzung von ChatGPT jedoch einige bedenkliche Herausforderungen. Zum einen befinden sich die Server in den USA, was zur Folge haben könnte, dass sensible Unternehmensdaten einer ausländischen Jurisdiktion unterliegen. Andererseits können Nutzerinformationen und -eingaben aktiv erfasst und nicht gesetzeskonform weiterverwendet werden.
Das Potenzial und den Mehrwert für dm-drogerie markt haben wir durch die Initiative einiger engagierter Kolleginnen und Kollegen erkannt, die sich selbst mit dem Thema Künstliche Intelligenz beschäftigen und die Organisation immer wieder darauf aufmerksam machten.
Parallel dazu gab es auch die bewusste Entscheidung des Managements, diese neue Technologie schnell für dm nutzbar zu machen.
Vertraulichkeit und Integrität der Daten
Mit dmGPT haben wir eine unternehmensinterne Alternative zu ChatGPT geschaffen, die wir in unserer eigenen Infrastruktur hosten. Hier bewahren wir die Kontrolle über unsere Unternehmensdaten und gleichzeitig erfolgt die Nutzung von dmGPT nach den gleichen Sicherheitsstandards wie alle anderen Unternehmensanwendungen, um die Integrität und Vertraulichkeit unserer Daten zu gewährleisten.
Abbildung: Die Oberfläche von dmGPT
Im Frühsommer 2023 haben wir als Test ein GPT-Modell auf Basis der Microsoft Azure Services bereitgestellt und ein open-source Frontend darübergelegt
In der Pilotphase war das GPT-Modell zunächst wenigen Mitarbeitenden zugänglich. Anfängliche Fehler haben wir behoben. In der nächsten Phase bis Juni 2023 konnten bereits alle rund 1.100 Mitarbeitenden von dmTECH auf dmGPT zugreifen. Und ab Juli 2023 konnten wir das gesamte dialogicum mit rund 3.500 Nutzerinnen und Nutzern auf dmGPT aufschalten und begleiten dies seit jeher mit Lernangeboten.
Aktuell sind wir im Roll-out für die weiteren 13 verbundenen Länder. Gleichzeitig planen wir den Rollout für die Mitarbeitenden in den dm-Märkten.
Schlanke Prozesse und Mitarbeitende entlasten
KI ist für uns in erster Linie ein Tool, das wir nutzen, um in unseren Prozessen Mehrwerte zu generieren. Wir beschäftigen uns seit geraumer Zeit intensiv mit KI in verschiedenen Fachgebieten und integrieren diese in unsere Arbeitsabläufe. Unser Ziel ist es, schlanke und robuste Prozesse zu etablieren und unsere Mitarbeitenden zu entlasten.
Innerhalb unserer Arbeitsgemeinschaft betrachten wir dmGPT als wertvolle Ressource und fest etablierten Assistenten, der bei Routineaufgaben wie der Neugestaltung von Texten für spezifische Zielgruppen oder der Vorbereitung von Workshops unterstützen kann.
Die Integration von dmGPT in unsere Arbeitsweise wurde durch unsere offene und dialogische Unternehmenskultur erheblich erleichtert. Wir sind neuen Technologien und Veränderungen aufgeschlossen und suchen nach sinnvollen Anwendungsgebieten für diese Innovationen. Es steht allen Mitarbeitenden unserer Arbeitsgemeinschaft frei, sowohl Vorschläge als auch Bedenken zum Einsatz von dmGPT einzubringen. Dies fördert die aktive Teilnahme und gewährleistet, dass alle Mitarbeitenden ihre Stimme zur Verwendung von dmGPT einbringen können. Diese Prinzipien sind integraler Bestandteil unserer dialogischen Unternehmenskultur, die als Nährboden für die Einführung von Digitalisierung und neuen Technologien dient.
Das Prompting gewinnt weiter an Relevanz
Der Umgang mit ChatGPT muss zunächst erlernt werden. Im Laufe der Jahre haben wir uns daran gewöhnt, bei Suchmaschinen wie Google mit wenigen, aussagekräftigen Schlüsselwörtern ein effizientes Suchergebnis zu erhalten. Durch Sprachmodelle und dmGPT entsteht nun eine ganz neue Herangehensweise beim Verfassen einer Eingabe.
Beim Prompting ist es entscheidend, möglichst viel Kontext und Informationen bereitzustellen.
Daran müssen wir uns alle erst mal noch gewöhnen.
Um unseren Mitarbeitenden eine möglichst einfache Einführung in dmGPT zu ermöglichen, haben wir ein umfassendes Kommunikations- und Lernbegleitungskonzept erarbeitet. In einem eigens erstellten Lernmodul haben wir einen umfangreichen Erfahrungsschatz zu KI, ChatGPT und dmGPT zusammengefasst. Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf dem Prompting, da das Beherrschen dieser Technik maßgeblich für den effizienten Einsatz von dmGPT von Bedeutung ist. Das Prompting wird unserer Einschätzung nach in Zukunft weiter an Relevanz gewinnen.
Wir bieten daher Dialogräume an, in denen alle Mitarbeitenden Fragen stellen und Vorschläge an Expertinnen und Experten unterbreiten oder auch Bedenken äußern können. Diese Formate dienen zudem gleichzeitig als Wissensplattform für den Austausch untereinander und werden über digitale Teams-Räume erweitert. Unser Ziel ist es, die Lernangebote sukzessive zu erweitern und zielgruppenspezifisch auszubauen. Dabei möchten wir unseren Kolleginnen und Kollegen nicht nur die Möglichkeit bieten, proaktiv Fragen zu stellen, sondern wir wollen sie auch beispielsweise bei Veranstaltungen, Seminaren oder durch Newsletter zu den vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten inspirieren.
Der Mensch bleibt in der Verantwortung
Die wohl bedeutendste Fähigkeit unserer engagierten Mitarbeitenden bei dmTECH besteht darin, das komplexe Thema in die verschiedenen Abteilungen zu tragen, den Dialog mit Kolleginnen und Kollegen zu suchen und Anwendungsmöglichkeiten für eine Vielzahl von Themengebieten zu entwickeln. Es ist faszinierend, zu beobachten, wie alle unsere Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Bereichen dmGPT in unsere Organisation integrieren und seinen Nutzen mit Leidenschaft vergrößern wollen.
Die Verwendung von Sprachmodellen wie dmGPT im Arbeitsalltag kann herausfordernd sein, da diese Modelle möglicherweise ab und an sogenannte Halluzinationen erzeugen, insbesondere wenn sehr spezifische Fragen gestellt werden. In solchen Fällen besteht die Gefahr, dass Informationen falsch dargestellt werden. Nutzerinnen und Nutzern kann es schwerfallen, Fakten von Fiktion zu unterscheiden. Deshalb und zur Gewährleistung qualitativer Ergebnisse bleibt das „Human in the loop“-Prinzip zentraler Bestandteil bei der Arbeit mit dmGPT. Sämtliche Ergebnisse, die dmGPT ausgibt, müssen also vor ihrer Weiterverwendung oder Veröffentlichung von einem Menschen überprüft werden.
Offen mit Ängsten und Bedenken umgehen
In unserem Lernmodul gehen wir ausführlich auf diesen Aspekt ein und zeigen anhand von konkreten Beispielen die Grenzen dieser Technologie auf. Wir setzen alles daran, unsere Mitarbeitenden dafür zu sensibilisieren und sicherzustellen, dass dmGPT in einer Weise eingesetzt wird, die höchste Genauigkeit und Verlässlichkeit gewährleistet.
Einige Menschen fühlen sich durch die Effektivität von GPT verunsichert.
Die Technologie hat das Potenzial, ganze Branchen komplett zu verändern.
Insbesondere bei Aufgaben, die sich mit schriftlicher Sprache beschäftigen. Gleichzeitig merken wir bei manchen Menschen eine grundsätzliche Überforderung durch die Schnelligkeit, mit der Veränderungen kommen. Hier versuchen wir, offen mit Ängsten und Bedenken umzugehen. Alle sollen sich mitteilen können.
Autor
Andreas Gessner
ist Geschäftsbereichsverantwortlicher bei dmTECH. Er verantwortet Themen wie die Prozessautomation, Digital Workplace, Business Intelligence und Anwendungen aus dem Personalwesen bei dm-drogerie markt. 2023 hat er gemeinsam mit weiteren Mitarbeitenden bei dm eine Initiative zum breiten Einsatz von KI-Modellen gestartet, die auf „Large Language Models“ (LLM) basieren.
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