Fünf Fragen an Martina Niemann, Vorstand Finanzen, DB Cargo
Bislang hat sich im Change Management noch kein Konzept als ultimativ richtig erwiesen. Veränderungen in Organisationen verlaufen höchst unterschiedlich. Deshalb sind die Erfahrungen, Erlebnisse und Eindrücke der Verantwortlichen auch so verschieden. Uns interessiert die persönliche Perspektive von erfolgreichen Managern und Managerinnen. Diesmal stellt sich Martina Niemann unseren fünf Satzeröffnungen.
Meine bislang größte/wichtigste Business Transformation war …
… dauert noch an und ist die Transformation der DB Cargo AG. Es geht dabei um nichts weniger, als die führende Güterbahn Europas schlagkräftiger aufzustellen und fit für die Zukunft zu machen. Eine anspruchsvolle Aufgabe mit vielen Herausforderungen. Ich bin davon überzeugt, dass wir nur mit einem starken Schienengüterverkehr die Klimaziele in Deutschland und Europa erreichen. Das Thema Klimaschutz geht uns alle an. Das sehen wir auch im Industriesektor, der sich gerade selbst in einem Transformationsprozess befindet. Klimaneutrale Liefer- und Versorgungsketten gewinnen an Bedeutung und sind zentral für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg. Der umweltfreundlichen Schiene kommt dabei eine bedeutende Rolle zu. Mit der Transformation schaffen wir die Voraussetzungen, auch weiterhin ein starker Partner für die Wirtschaft zu sein.
Veränderungen von Unternehmen sind aus meiner Erfahrung im Wesentlichen geprägt durch …
… die strategischen Ziele eines Unternehmens. In unserem Falle wollen wir die Produktion und Organisation bei DB Cargo straffen. Das bedeutet, dass wir unsere Komplexität reduzieren und produktiver werden. Ziel ist ein wettbewerbsfähiger Schienengüterverkehr.
Ein weiterer wichtiger Faktor sind aus meiner Sicht die sich verändernden Marktbedingungen oder ganz generell externe Einflüsse. Darunter verstehe ich, dass sich Kundenbedürfnisse immer schneller bzw. Wettbewerbssituationen disruptiver verändern. Oder auch der Umstand, dass durch politische Entscheidungen oder wirtschaftliche Bedingungen Unternehmen in die Situation kommen, ihre Geschäftsmodelle anpassen zu müssen.
Als letzten Punkt möchte ich den technologischen Fortschritt anführen. Gerade im Schienengüterverkehr gibt es eine Vielzahl von technischen Innovationen im Bereich Automatisierung oder Digitalisierung. Diese reichen von digitalen Kamerabrücken in unseren Rangierbahnhöfen bis hin zur geplanten Einführung der „Digitalen Automatischen Kupplung“. Das verbessert die Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeitenden und verändert Berufsbilder völlig. Aus den Wagenmeisterinnen und Wagenmeistern, die mit einem Hammer in der Hand einen Güterzug untersuchen, werden „digitale Diagnostiker“ mit Tablet und Bildanalysen.
Die wichtigsten Erfolgsfaktoren von Change Management sind für mich …
… ein klares Commitment in der Führungsebene eines Unternehmens. Alle müssen das gleiche Verständnis haben und an einem Strang ziehen. Die Führungskräfte müssen den Wandel mittragen und ihn vorleben.
Nicht minder wichtig für den Umsetzungserfolg von Change-Management-Maßnahmen sind eine klare Kommunikation und Transparenz. Die Mitarbeitenden müssen verstehen, warum der Wandel notwendig ist und welche Auswirkungen dieser möglicherweise hat. Entscheidend für den Umsetzungserfolg von Maßnahmen sind eine ehrliche, frühzeitige und regelmäßige Kommunikation. Ziel sollte es sein, in einen Dialog mit den Beteiligten zu kommen. Und natürlich kommt der Einbindung und Beteiligung der Mitarbeitenden eine zentrale Rolle zu. Die Erfahrungen zeigen: Menschen sind eher bereit, Veränderungen mitzutragen und zu unterstützen, wenn sie sich in den Change-Prozess einbringen können. Viele Mitarbeitende wollen den Wandel mitgestalten. Als Unternehmen trägt man die Verantwortung dafür, die Voraussetzungen zu schaffen, dass sie auf die anstehenden Veränderungen vorbereitet sind. Dazu gehören für mich ebenfalls Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen.
Nicht alles gelingt. Was ich bei Veränderungen in meiner Verantwortung künftig anders machen werde oder was ich durch Lernen aus früheren Fehlern heute bereits anders mache, ist …
… sich mehr Zeit zur Selbstreflexion zu nehmen. Ich will mich auch als Führungskraft immer wieder hinterfragen und prüfen, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist. Und wenn er das nicht mehr ist, weil sich beispielsweise Rahmenbedingungen verändert haben, ist es wichtig, den Mut zu haben, diesen zu korrigieren.
Ich habe gelernt, etwas geduldiger zu sein, das heißt, mich nicht drängen zu lassen, sondern das Heft des Handelns selbst in der Hand zu behalten.
Gerade bei großen Veränderungen gilt es, die Belange vieler zu berücksichtigen.
Mir ist wichtig, nicht nach einer x-beliebigen Lösung zu suchen, sondern nach der besten Lösung für alle Beteiligten.
Ich suche heute auch ganz bewusst schon sehr früh das Feedback von Kollegen und Kolleginnen aus unterschiedlichen Bereichen im Unternehmen. Das hilft mir, einen noch besseren Blick auf das Ganze zu erhalten und möglicherweise Bereiche zu identifizieren, die ich vielleicht vorher so nicht im Fokus hatte.
Mein persönlicher Tipp an eine Führungskraft, die Verantwortung für ein Veränderungsprojekt übernimmt, lautet:
Man muss für sich selbst ein klares Ziel haben, was man verändern will und wie der Umsetzungspfad aussieht. Dazu gehört, frühzeitig über die Gründe für Veränderungen zu kommunizieren – mit dem Ziel: Akzeptanz zu schaffen und Unterstützer zu gewinnen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man für eine erfolgreiche Umsetzung von Veränderungsprojekten ein starkes Team um sich braucht. Das bedeutet ebenfalls: Ich muss als Führungskraft loslassen können, Verantwortung abgeben und Aufgaben delegieren. So gelingt es einem, immer wieder den Blick für das Wesentliche zu behalten und das große Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.
Mein letzter Tipp wäre, Widerstand zu akzeptieren. Veränderungen führen auch immer zu Bedenken und nicht zu selten Ängsten unter den Mitarbeitenden. Führungskräfte sollten sich dem stellen und versuchen, auch immer wieder die Sichtweise der Betroffenen einzunehmen. Nur dann gelingt es meiner Meinung nach, tragfähige Lösungen zu finden und Widerstände zu überwinden.
Autorin
Dr. Martina Niemann
ist seit 2020 Vorständin Finanzen und Controlling sowie Angebotsmanagement der DB Cargo AG. Die promovierte Volkswirtin arbeitete nach dem Studium zunächst als Venture-Capital-Managerin, seither liegt ihr beruflicher Schwerpunkt in der Mobilitäts- und Logistikbranche. Nach einem Start im Beteiligungsmanagement der Lufthansa AG wechselte sie als Leiterin Controlling für das Reisebüro-Geschäft in den Kaufhof-Konzern. Ab 1995 hatte Martina Niemann dann verschiedene Führungspositionen bei der Deutschen Bahn AG inne. Anfang 2012 ging sie als Personalchefin zur Fluggesellschaft Air Berlin und übernahm 2018 in der Lufthansa AG das Personalmanagement für die Lufthansa Airlines.
»Martina bei LinkedIn
Ihnen hat das Format „5 Fragen an…“ gefallen? Hier finden Sie einen weiteren Beitrag dazu: „5 Fragen an Helen Reck, HUK-Coburg“