Raum für Austausch: Gemeinsam neue Ansätze suchen

Raum für Austausch

„Wie siehst du das?“

Im Rahmen von Transformationsvorhaben und Change-Projekten sind Workshops selbstverständlich beliebte Instrumente. Und mittlerweile sind diese sogar in eher klassischen Konzernen durchaus erlebnisorientiert gestaltet. Es wird Wert auf die Details gelegt und es werden innovative Methoden eingesetzt. Eine professionelle Moderation sorgt für Abwechslung: Klar, auch die Ansprüche der Teilnehmenden wachsen.

Bei aller Erlebnisorientierung darf allerdings die Wirksamkeit nicht verlorengehen. Die Teilnehmenden sollen einen Nutzen von dem Workshop haben. Der wird häufig jedoch weniger durch kreative Erlebnisse erzeugt als vielmehr durch ganz einfache Dinge. Das ist das, was ich im Laufe der Zeit festgestellt habe. Und zu diesen „einfachen Dingen“ gehört vor allem: Raum für Austausch.

Gemeinsam neue Ansätze suchen

Meiner Erfahrung nach honorieren Teilnehmende fast immer, wenn sie die Möglichkeit bekommen, sich zu vernetzen und sich über Herausforderungen in ihrem Job auszutauschen – und zwar nicht mit dem Trainer oder der Moderatorin, sondern mit Menschen, die ähnliche Herausforderungen haben. Das können zum Beispiel Mitarbeitende aus demselben Unternehmen in ähnlicher Funktion, aber in einem anderen Bereich sein. Oder aber auch Externe, die man bei einem unternehmensübergreifenden Austausch trifft, die in einer anderen Organisation arbeiten, aber vergleichbare Probleme im Joballtag zu bewältigen haben.

Als ganz besonders wertvoll habe ich diesbezüglich die „kollegiale Fallberatung“ erlebt, bei der ein konkretes berufliches Anliegen einer Person im Rahmen eines Beratungsprozesses besprochen wird – eine machtvolle Methode. Kollegen und Kolleginnen bringen ihre Perspektiven, ihr Fachwissen, ihre Erfahrungen ein, um in Bezug auf den jeweiligen „Fall“ gemeinsam nach Lösungen und neuen Ansätzen zu suchen. Wichtigste Voraussetzung dabei ist die Bereitschaft, sich zu öffnen, und dafür braucht es ein Gefühl der „psychologischen Sicherheit“.

Dieses Gefühl haben viele Führungskräfte in ihrem eigenen Unternehmen oft nicht, weshalb die kollegiale Fallberatung für diese Gruppe meist noch besser unternehmensübergreifend funktioniert als intern. Unter Gleichgesinnten aus anderen Organisationen haben sie nichts zu befürchten und können sich öffnen. Und die Führungsthemen sind in vielen Unternehmen ähnlich. Das gegenseitige Verständnis für die jeweiligen Herausforderungen der Führungskräfte, die sich häufig in einer unangenehmen „Sandwich-Position“ befinden, ist deshalb groß.

Glaubwürdige Expertinnen und Experten

Allgemein kann man beobachten, dass das vernetzte Lernen unter den Mitarbeitenden an Bedeutung gewonnen hat – nicht selten zulasten der klassischen Trainings und Seminare. Viele Kolleginnen und Kollegen haben enormes Fachwissen und vielfältige Kompetenzen, an denen sie andere gerne teilhaben lassen. Das Potenzial ist riesig. Hinzu kommt, dass diese Expertinnen und Experten in der Regel eine große Glaubwürdigkeit genießen und sie das Unternehmen kennen. Sie wissen um die organisationalen Herausforderungen.

Und Glaubwürdigkeit ist schließlich auch ein Grund, warum die Kollegen und Kolleginnen auch im Rahmen von Change-Prozessen in einer Organisation eine wichtige Rolle spielen – als Multiplikatoren oder im Falle einer Software-Einführung zum Beispiel als Key User, die als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Das Voneinanderlernen und Mitarbeitende als Key User und Multiplikatoren, die mit Herz und Überzeugung hinter einem Projekt stehen, sind in der Regel wichtiger für den Erfolg eines Change-Vorhabens als die „bunte Change Story“ auf den PowerPoint-Folien. [JCW]

 

Als Chefredakteur von changement! schaut Jan C. Weilbacher kritisch auf Themen rund um Transformation und Change Management. (Bild Jan C. Weilbacher)

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