Projektmanagement in einer Welt des Wandels
Klassische Projektmanagerinnen und -manager richteten ihre Arbeit früher an einem simplen Prinzip aus: dem sogenannten magischen Dreieck aus Qualität, Kosten und Leistung. Im Projekt waren sie die ultimative Instanz. Um gerade in Veränderungsprojekten erfolgreich zu bleiben, müssen sie sich neu aufstellen. Sie müssen unterschiedliche Arbeitsweisen beherrschen sowie neue Skills und solides Geschäftsverständnis aufweisen.
In einer Umfrage des Wall Street Journals nannten Vorstände, CEOs und Top-Manager die Anpassung an ein zunehmend dynamisches Marktumfeld 2022 als aktuell größte unternehmerische Herausforderung. Das bestätigen Zahlen der Harvard Business Review. Demnach scheitern rund 70 Prozent der Change-Projekte in Organisationen. Allein durch missglückte Digitalisierungsmaßnahmen, so Forbes, seien 2018 mehr als 800 Milliarden Euro in den Sand gesetzt worden. Zum Vergleich: Das ist mehr als das Vierfache dessen, was die öffentliche Hand in Deutschland 2022 für Bildung ausgegeben hat (rund 180 Milliarden).
Doch woran liegt das? Die Welt befindet sich in einem epochalen Wandel. Um den Anforderungen ihrer Stakeholder unter neuen Rahmenbedingungen gerecht zu werden, müssen Organisationen die Fähigkeit entwickeln, sich anzupassen. Change wird zur Dauerherausforderung. Tempo und Flexibilität sind gefragt. Agilität ist dabei ein Schlüsselfaktor – und genau daran mangelt es.
Nicht ohne Grund gaben in einer PwCUmfrage 2022 mehr als die Hälfte der befragten COOs an, dass eine Steigerung der Agilität für das Wachstum ihres Unternehmens in diesem Jahr sehr wichtig sei. Jedoch: Im Pulse of the Profession des Project Management Institute (PMI) berichteten 2021 zugleich nur 33 Prozent der Befragten von einer hohen Agilität in ihrem Unternehmen. Das veranschaulicht:
Aus Fehlern lernt man
Traditionell werden agile Vorgehensweisen wie Scrum oder Kanban vor allem in IT-Projekten oder der Produktentwicklung genutzt, zunehmend aber auch in anderen Branchen, zum Beispiel in der Organisationsentwicklung oder im Marketing. Projekte, Produkte oder Vorhaben werden dabei iterativ immer wieder aufs Neue überarbeitet, getestet und so lange weiterentwickelt, bis man am Ziel ist. Die zentralen Fragen: Was ist das Ziel? Welcher Weg führt am effizientesten dorthin? Und welches Problem muss dafür gelöst werden? Das hilft, Risiken zu reduzieren, Effizienz sicherzustellen und Probleme flexibel anzugehen.
Agile Vorgehensweisen helfen insbesondere in Change-Projekten, in denen diverse Stakeholder eingebunden und orchestriert werden müssen. Dass es beim schrittweisen Herantasten ans Endergebnis auch Rückschläge gibt, liegt in der Natur der Sache – und ist auch gut so. Jeder weiß: Aus Fehlern lernt man. Deren Analyse ermöglicht es, Rückschlüsse auf Schwachstellen zu identifizieren und Lösungsansätze dafür zu entwickeln, um das Projekt, Produkt oder Vorhaben nachhaltig besser zu machen.
Kernkompetenzen für den Erfolg
Das vom PMI entwickelte Talent Triangle spiegelt die idealen Kompetenzen wider, die Projektmitarbeiter entwickeln und verfeinern müssen, um in der heutigen, sich ständig weiterentwickelnden Welt des Projektmanagements erfolgreich zu sein. Es veranschaulicht ebenso, dass auch Organisationen anpassungsfähiger werden müssen, um in diesem zunehmend dynamischen Umfeld nachhaltig erfolgreich zu sein.
Damit sind Chancen, aber auch Risiken verbunden. Um die Chancen zu nutzen, braucht es Kenntnisse und Fähigkeiten in drei Bereichen:
Auf diesen Feldern sollten sich moderne Projektmanagerinnen und -manager, die Change erfolgreich gestalten möchten, sicher bewegen können. Neben den agilen Methoden sind dafür zwei weitere Vorgehensweisen besonders interessant: Wicked Problem Solving und Organisational Transformation.
Das Wicked Problem Solving stellt ein innovatives Vorgehen und einen gemeinsamen Rahmen für einfache bis hin zu tiefgreifenden Problemlösungen zur Verfügung. Aufgrund seines universellen Vorgehens eignet sich Wicked Problem Solving auch, um Veränderungsvorhaben zum Durchbruch zu verhelfen. Bei der Organisational Transformation geht es darum, eine ganze Organisation in die Lage zu versetzen, einen nachhaltigen Quantensprung in der Leistung zu erzielen und gleichzeitig die Mentalität der Mitarbeitenden und damit die Kultur der Organisation zu verändern.
Auch hier spielen die im PMI-Talent-Triangle beschriebenen Eigenschaften eine entscheidende Rolle:
Zu den Power Skills zählen wir neben den genannten Problemlösungfähigkeiten noch
- Kommunikationskompetenzen,
- strategisches Denken und
- kollaborative Führung.
Was Projektmanagende heute können müssen
Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer Projekte heute erfolgreich managen möchte, kommt mit dem klassischen Prinzip des „Command and Control“ nicht mehr weiter. Heute orchestrieren Projektmanagerinnen und -manager eher. Sie verfügen zwar nach wie vor über Expertise in bestimmten Disziplinen, vor allem aber glänzen sie durch die Fähigkeit, Arbeitsschritte, Perspektiven und fachliche Kompetenzen aller Beteiligten sinnvoll und effizient zusammenzuführen.
Darüber hinaus verfügen sie über spezielle Fähigkeiten zur Lösung diverser Probleme, zum Beispiel im Rahmen des Managements sensibler, dynamischer Veränderungsprozesse. Diese Grundlagen befähigen Projektmanagende, auch ganz große Vorhaben, bei denen unter Umständen mehrere Teilprojekte zusammengeführt werden müssen, zum Erfolg zu führen. Hier zeigt die Praxis: Moderne Projektmanagerinnen und -manager vereinen dienende Führungsqualitäten und spezielle Expertisen in der Anwendung unterschiedlicher Arbeitsweisen, um mit ihren Projektteams Veränderungsprozesse erfolgreich umzusetzen.
Autor
Bodo Giegel
ist Partner Success Manager beim Project Management Institute, das als führende Institution mit 700.000 Mitgliedern weltweit in 300 Ländern Standards, Skills und Prozesse rund um Projektmanagement konzipiert, definiert und vermittelt.
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