Porträt von Tatjana Kiel, Klitschko Ventures

Vorbilder als Inspirationen in Zeiten des Wandels

Seit dem Ukraine-Krieg hat sich für Tatjana Kiel viel verändert. Sie lebt und arbeitet nun in einer Art Ausnahmezustand. Diesen extremen Wandel hat sie angenommen. Sie hilft, wo sie kann.

Was sagen Sie Menschen, die sich vor Veränderungen fürchten?

Das beste Gegenmittel ist, Veränderungen aktiv zu gestalten, auch die ungewollten. Dazu brauche ich den richtigen Mindset. Ich muss mich und meine Ziele kennen, sie immer wieder neu justieren. Mein Job ist seit Beginn des Ukraine-Krieges ein anderer. Dr. Wladimir Klitschko, an dessen Seite ich seit 16 Jahren arbeite, ist die Stimme aus Kyiv, die aufruft, Haltung zu zeigen und zu helfen. Das tue ich, mit aller Kraft. Indem wir unter #WeAreAllUkrainians große Gütertransporte organisieren, Container-Dörfer bauen und vieles mehr. Es ist an uns, selbst bei extremen Veränderungen nicht zu verharren, sondern zu handeln. Wladimir Klitschko lebt es gerade vor. Ich habe diesen Mindset von ihm gelernt, weil er sein Wissen teilt. Dafür hat er unser Unternehmen gegründet.

Was würden Sie gerne noch lernen?

Aktuell: Fremdsprachen. Ukrainisch und Polnisch würden mir bei der Organisation der Hilfe für die Ukraine gerade sehr helfen. Das Erlernen von Sprachen ist allgemein eine Verjüngungskur fürs Gehirn und fördert die kognitive Beweglichkeit. Und ich würde im derzeitigen Ausnahmezustand gerne auf Kommando schlafen können. Ob das geht? Es wäre schön.

Wo oder wie kommen Sie auf die besten Ideen?

Ideen entstehen durch die Kombination von Intuitionen und Informationen. Für mich ist die Diskussion, der Austausch auf Augenhöhe mit Gleichgesinnten und Freunden eine unerschöpfliche Quelle. Für mich gilt: Wenn der Appetit beim Essen kommt, dann kommen Einfälle beim Sprechen.

Was ist Arbeit für Sie?

Die Arbeit nimmt den größten Teil unserer Zeit in Anspruch. Neben der Liebe ist die Arbeitszeit das Schönste, was Menschen schenken können und sollte in Ehren gehalten werden. Die Arbeit anderer Menschen ist tatsächlich ein Reichtum, die eigene Arbeit eine Möglichkeit, dem Leben einen Sinn zu geben. Sie interessant und sinnvoll zu gestalten, ist echte Arbeit an sich.

Wie finden Sie Ausgleich zu Ihrem Berufsalltag?

Ich glaube an das Prinzip der ungeteilten Aufmerksamkeit. Wenn ich, wie gerade, die Task Forces für die Ukraine organisiere, liegt mein Fokus zu 150 Prozent darauf. Und wenn ich – die derzeit wenige – Zeit mit meiner Familie verbringe, widme ich ihnen diese gemeinsame Zeit ganz – auf den Moment konzentriert. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht an die berühmte „Work-Life-Balance“. Ich glaube eher an die „Ego-Eco-Balance“: eine Verbindung zwischen einem starken Geist, einem fitten Körper sowie einem starken Beziehungsnetz.

Warum sind Vorbilder wichtig, wenn es um Verhaltensänderungen geht?

Vorbilder geben uns Inspiration durch ihren Mut.

Schauen Sie sich Wladimir Klitschko an. Er könnte überall anders sein, aber er hat sich entschieden, bei seinen Landsleuten zu bleiben, im Bombenhagel. Was ist wahrer Mut? Es ist genau das: Der Erste zu sein, der etwas tut, der Erste zu sein, der eine Veränderung in Gang setzt. Kurz gesagt, ein Beispiel für andere zu sein. Das ist wichtig, denn echte und dauerhafte Veränderungen gibt es nur im Kollektiv.

 

 

 

Autorin

Tatjana Kiel
arbeitet seit 16 Jahren an der Seite von Wladimir Klitschko. Sie ist CEO von Klitschko Ventures.
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Dieser Beitrag ist Teil der Ausgabe 03/22 „Vielfalt und Inklusion“. Die Ausgabe erscheint am 01. April.

Unter dem Hashtag #WeAreAllUkrainians lassen sich zahlreiche Initiativen finden, die die notleidende ukrainische Bevölkerung unterstützen.