Hilkka Zebothsen: Persönliche Perspektive zum Thema Konflikte
Hilkka Zebothsen über ihren Umgang mit Konflikten, das Vertrauen in das eigene Bauchgefühl und den besten Ratschlag, den sie je bekommen hat.
Was sagst du Menschen, die sich vor Veränderungen fürchten?
Zunächst mal, dass ich verstehe, dass Veränderung verunsichert – und manchmal auch nervt, weil man das Gefühl bekommen kann, nie anzukommen und einfach mal eine Weile den Status quo genießen möchte. Doch das Gute in der Gesundheitsbranche ist: Den Satz „Stillstand ist der Tod“ verstehen viele Menschen sofort. Und in der Medizin gibt es täglich große Fortschritte – insofern ist bei uns der Begriff „Veränderung“ meist positiv besetzt.
Was würdest du gerne noch lernen?
So vieles! Die Feinheiten von Moderation im agilen Arbeiten; die Abschaffung von Lampenfieber bei Vorträgen; die emotional mitreißende Konzeption im digitalen Storytelling; die konstruktive Nutzung von ChatGPT und Co.; die vermutlich typisch weibliche „Dauer-Lächel-Falle“ zu umgehen; mehr Freiräume zu schaffen, um endlich Bücher zu schreiben; Cello spielen, weil ich den Klang liebe; das Querlesen, um es beim privaten Schmökern wieder zu lassen. Und: Gelassenheit am Steuer. Ich bin eine sehr ungeduldige Autofahrerin.
Wie gehst du mit Konflikten im Job um?
Ich habe mühsam gelernt, nicht wie früher sofort alles anzusprechen, sondern zunächst für mich allein zu ergründen, wo der wahre Kern des Konflikts vermutlich liegt: Geht es wirklich „nur“ um die Sache, meine Rolle oder mich als Person? Wo kann ich selbst überhaupt aktiv ansetzen und was ist vergebene Liebesmüh? Was will und braucht mein Gegenüber? Erst dann setze ich auf Austausch und mache mich dabei absichtlich nahbar und meine Vorüberlegungen transparent, um Missverständnisse zu vermeiden. Außerdem parke ich mein Auto immer etwa 1,5 Kilometer vom Büro entfernt – die Strecke nutze ich je nach Laufrichtung fürs innere Ankommen in den Tagesaufgaben oder zum Abschalten im Kopf.
Wo oder wie kommst du am besten zur Ruhe?
Ich zog in der Pandemie zurück in das Dorf meiner Kindheit in Schleswig-Holstein. Daher: beim Schreiben im Baumhaus von Bekannten am Waldrand; beim Sommerbaden im See, wo sich am Feierabend das halbe Dorf trifft; oder beim Meditieren daheim.
Worauf kannst du dich immer verlassen?
Auf mein Bauchgefühl. Auf die erste Reaktion in mir, die fast körperlich noch vor dem Denken einsetzt. Und den Rat einer meiner Schwestern, die im Leben ganz andere Dinge tut als ich und die bei Telefonaten ihr Interesse immer mit dem Satz einleitet: „Du kommst rein – und dann …?“
Welchen guten Ratschlag hast du schon mal bekommen?
„Wähle deine Kämpfe weise.“ Gelernt von einer Mentorin aus der Krisenkommunikation, die wusste, wie nachhaltig wir uns oft an den falschen „Triggern“ abarbeiten, und die sich systematisch immer wieder fragte, ob wir wirklich über jedes dargebotene Stöckchen springen sollten – oder Limbo nicht manchmal einfach schlauer ist.
Autorin
Hilkka Zebothsen
leitet bei den Asklepios Kliniken die interne Kommunikation. Außerdem unterrichtet sie nebenberuflich Krisenkommunikation sowie Dramaturgie und Stoffentwicklung für Buch und Film. Vor ihrer aktuellen Tätigkeit bei den Asklepios Kliniken war sie Polizeireporterin bei verschiedenen Hamburger Tageszeitungen. Sie war außerdem tätig in der Öffentlichkeitsarbeit bei Klinikträgern sowie einem Kinder-Hospiz und leitete die Redaktion eines Berliner Fachmagazins.
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