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Gendergerecht schreiben: ja oder nein?

Wie in gesellschaftlichen Bereichen ist die Nutzung der sogenannten gendergerechten Schreibweise auch in der Wirtschaft umstritten. Wir haben zwei Kommunikationsmanager:innen gefragt, warum ihr Unternehmen explizit (k)eine gendergerechte Sprache nutzt.

Wertschätzung der Sprache

„Wir haben uns bei Trumpf bewusst dazu entschieden, auf das Gendern zu verzichten. Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller, eine Germanistin, die über Erich Kästner promoviert hat, schrieb dazu im vergangenen Jahr im internen Mitarbeitermagazin: ‚Wir behalten die vollständige Schreibweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die eine Wertschätzung der Sprache an sich ist, auch in Zukunft im Unternehmen bei und verzichten in unserer Außen- und Innendarstellung auf Sternchen oder Doppelpunkte.‘

Unser Personalchef Oliver Maassen hat diese Richtungsentscheidung in einem Gastkommentar für das Handelsblatt aufgegriffen: ‚Ob wir echter Gleichberechtigung und Toleranz dadurch näherkommen, dass nun in Radiosendungen kurze Sprechpausen innerhalb der Worte eingelegt werden, ob wir inklusiv handeln, wenn wir etwas tun, was dem Sprachgefühl der meisten Menschen zuwiderläuft, erscheint mir zumindest fragwürdig. Vermutlich riskieren Medien und Politik sogar das Gegenteil des Gewünschten, nämlich als elitär und bevormundend wahrgenommen zu werden.‘ Auf dieser Basis kommunizieren wir fortan bei Trumpf ganz selbstverständlich.“

 

Andreas Möller
Leiter Unternehmenskommunikation, Politik, Marke bei Trumpf

 

Minderheiten unterstützen

„Vielfalt und Gleichberechtigung sind für uns bei Otto ein hohes Gut. Um das auch sprachlich deutlich zu machen, setzen wir seit 2019 in unserer internen und externen Kommunikation das Gendersternchen ein – im Marketing, im HR-Bereich und auch schon teilweise in der Kommunikation mit unseren Kund*innen. Man kann eine gendergerechte Sprache anstrengend, oll und unästhetisch finden, es gibt sicherlich auch valide Argumente gegen das Gendern. Aber allein der Versuch, alle Menschen gleichwertig anzusprechen – Männer, Frauen und non-binäre Menschen – ist aus unserer Sicht diese Mühe wert. Mehrheiten sollten Minderheiten nicht nur schützen, sondern auch unterstützen. Eine inklusive Sprache gehört dazu.“

 

Linda Gondorf
Chefin vom Dienst in der Otto-Unternehmenskommunikation und Mitglied der Projektgruppe Gendersprache bei Otto