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Was kann Führung in unsicheren Zeiten leisten?

Gerade in herausfordernden Zeiten richtet sich in einer Organisation der Blick auf die Führungskräfte. Doch was sollte von der Führung erwartet werden? Wir haben nachgefragt.

Halt geben

„Gerade in unsicheren Zeiten ist es wichtig, als Führungskraft Sicherheit für das Team zu gewährleisten. Dies beinhaltet auch das Vertrauen der Teammitglieder darauf, dass die Führungskraft immer alle Fakten auf den Tisch legt und offen kommuniziert, also nichts
Relevantes verschweigt. Darüber hinaus ist es wesentlich, Mitarbeitenden Orientierung zu geben durch die persönliche Einschätzung der Zukunft. Auch wenn sie derzeit nicht einschätzbar ist, sollte zumindest dies kommuniziert werden, um eine verlässliche Authentizität ausstrahlen zu können. Ebenfalls ‚schlechte Nachrichten offen anzusprechen‘, dient dem Vertrauen in die Führungskraft. Und in schwierigen Zeiten ist ‚das Halt-Geben‘ eine notwendige Führungstugend. Zu schauen, wo jeder einzelne Mitarbeitende steht und was er oder sie gerade persönlich an Führung benötigt, um gesund durch eine unsichere Zeit zu kommen.“

 

 

Ute Buscher
arbeitet als Business Coach und lehrt an der Universität Oldenburg zu den Themen Coaching und Konfliktmanagement.

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Ethikorientierte Führung

„Führung hat Orientierung zu geben und gerade unter suboptimalen Bedingungen eine mentale Grundhaltung vorzuleben, die an Bewältigungsmuster statt an Hilflosigkeitsmuster anknüpft. Bewältigungsmuster kann man lernen und trainieren durch Fokussierung auf folgende Dimensionen:

  • Optimismus im Sinne positiven Denkens
  • Selbstwirksamkeit im Sinne von ‚Wir können vieles selbst gestalten und bewirken‘
  • Resilienz im Sinne von: ‚Wir trotzen allen widrigen Bedingungen und wachsen sogar daran‘
  • Soziale Unterstützung und Netzwerkaktivierung im Sinne von ‚Wir unterstützen und inspirieren uns gegenseitig, unsere Potenziale zu Synergieeffekten zusammenzuführen‘

Gerade in unsicheren und schwierigen Zeiten bedarf es ethikorientierter Führung mit vier Vs: Vorbild, Verantwortung, Verpflichtung, Vertrauen. Das heißt, es geht im weitesten Sinne darum, dass ethikorientierte Führung Exzellenz mit Menschlichkeit zusammenbringt.“

 

Dieter Frey
ist Leiter des „LMU Center for Leadership and People Management“ sowie Professor für Sozial- und Wirtschaftspsychologie.

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Spürbare Verantwortung

„In Krisen und Konflikten aller Art erleben wir Kontrollverlust und Ohnmacht. Das Gefühl von Überforderung schränkt unsere Lebensbewältigungsstrategien ein. Stattdessen: Angst, Depression, Rückzug, Aggression, Flucht.

Führung sollte in dieser Situation konzentriert auf die Bewältigung dieser Überlastung fokussieren. Spürbare Verantwortung und Entschlossenheit vermitteln Zuversicht und lassen Gemeinschaft entstehen – mit der Akzeptanz bezüglich dessen, was ist, und dem Willen und der Stärke zu tun, was nötig ist. Einbindung, Transparenz, kritische Reflexion helfen nicht nur dem Entscheidungs- und Führungsträger im Sinne einer psychologischen Entlastung. Vielmehr können sie sinnstiftendes, kraftgebendes Momentum der Gemeinschaft sein, die letztlich die Krise bewältigt. Die Professionalität im Umgang mit Sache und Mensch kann aus der Panik Ruhe entstehen lassen und aus dem Chaos geordnetes Handeln.“

 

 

Ursula Schütze-Kreilkamp
ist Leiterin Konzernführungskräfte Top-Management bei der Deutschen Bahn AG.

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Als Siemens-Personalchefin hat Janina Kugel viele Restrukturierungen und Transformationen verantwortet. Und doch wirkte sie als Managerin immer nahbar und empathisch. Vielen Frauen gilt sie als Role Model. Im Interview spricht sie über gute Führung in der Krise, Fairness beim Jobabbau und wie es ist, Hunderten von Mitarbeitern eine Standortschließung mitzuteilen: „Interview mit Janina Kugel, Siemens AG über Führung in der Krise“.