The Shift Initiative: Diversität Role Model Jan C. Weilbacher

Dimensionen von Diversität

Wenn Sie auf einer Business-Veranstaltung einmal Lust haben, zu einer Meinungsäußerung so richtig Gegenwind zu bekommen, dann empfehle ich Ihnen, sehr selbstbewusst folgende These von sich zu geben: Diverse Teams sind weniger erfolgreich als homogene Teams. Der Protest dürfte groß sein. Das Gegenteil gilt nämlich mittlerweile als Gesetz, das nicht mehr hinterfragt wird.

Man braucht nur einmal „Diversity“ und „Teams“ in die Google-Suche geben und man wird überschwemmt mit Artikeln, die alle in der Überschrift die Aussage treffen, dass diverse Teams kreativer sind, bessere Entscheidungen treffen – und/oder schlicht erfolgreicher sind.

Dabei ist die Wahrheit: Es kommt darauf an. Zunächst einmal gibt es ganz unterschiedliche Dimensionen von Diversität – nicht nur das Geschlecht. Diversity-Dimensionen können zum Beispiel auch sein: das Alter, die Dauer der Zugehörigkeit zur Firma, Kompetenzen, Internationalität, soziale Herkunft, Wertegerüst oder sexuelle Orientierung. Das heißt, ein Team kann auf den ersten Blick homogen wirken, weil es beispielsweise nur aus Männern besteht. Aufgrund anderer Dimensionen, die nicht sichtbar sind, kann es trotzdem durchaus heterogen zusammengesetzt sein.

Mehr Kreativität und bessere Ideen

Zudem muss man immer fragen: Was genau wird unter Teamerfolg verstanden? Denn natürlich hat ein heterogenes Team gegenüber einem homogenen in manchen Bereichen Nachteile. Das gilt beispielsweise für die Kommunikation. Menschen, die in etwa im selben Alter sind, aus demselben Kulturkreis kommen, die dieselbe soziale Herkunft haben bzw. eine ähnliche Sozialisierung mitbringen, werden in der Teamkommunikation (anfangs) weniger Missverständnisse erleben, als dass das bei einem Team der Fall ist, in dem Berufsanfänger:innen aus Peru neben „alten Hasen“ aus Deutschland arbeiten. Und diese Störungen in der Kommunikation wirken sich sicherlich auch auf die Team-Performance aus.

Doch wissenschaftlich belegt ist ebenfalls, dass Vielfalt in der Regel zu einem Mehr an Kreativität und zu besseren Ideen führt. Es gibt weniger blinde Flecken als bei homogenen Teams, weil eine größere Bandbreite an Perspektiven eingebracht wird von den Teammitgliedern.

Es gibt ja auch in der heutigen Arbeitswelt kein Zurück mehr. Die Unterschiedlichkeit an Perspektiven und die Vielfalt hinsichtlich Kompetenzen und Erfahrungen bei der Bearbeitung von Problemen und Themen werden immer wichtiger, weil Unternehmen sich in immer komplexer werdenden Umfeldern bewegen. Vernetzung und Diversität sind eine wesentliche Antwort auf Komplexität. Deswegen findet man in den Organisationen auch immer mehr cross-funktionale Teams und das Arbeiten in Netzwerken.

Die Entwicklung eines neuen Bankproduktes kann man natürlich beispielsweise nur den Vertriebsleuten überlassen. Dann wird’s aber Mist. Es braucht auch UX-Designer:innen, Digital- Marketing-Expert:innen, Software-Entwickler:innen und vielleicht sogar Kund:innen, damit echte Erfolgsaussichten bestehen.

Da aber Vielfalt allein noch kein Erfolgsgarant ist, ist es ebenfalls von Bedeutung, dass gerade heterogene Teams gut begleitet werden – beispielsweise von Agile Coaches, die bei einer effektiven Zusammenarbeit unterstützen. Zudem hilft es, sich einen Rahmen in Form von gemeinsam erarbeiteten Regeln zu geben, auf die man sich zum Beispiel bezüglich der Kommunikation immer wieder beziehen kann: Wann nutzen wir für was die E-Mail-Kommunikation? Was ist jeweils der „Definition of Done“? Welches Verhalten ist uns bei Meetings wichtig?

Gemeinsame Regeln zu haben, mag unsexy sein. Aber sie helfen, um das Beste aus der Vielfalt in Teams rauszuholen. [JCW]

 

Unter The Shift Initiative Erfolgsfaktor female findet ihr weitere Role Models aus Wirtschaft und Gesellschaft für das Thema Diversity & Inclusion.