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„Change Trends“ 2022

Change endlich ernst nehmen

Gibt es so etwas wie „Change Trends“? Veränderungsthemen, die viele Unternehmen branchenübergreifend derzeit stark im Fokus haben? Sehr schwierig. Ich habe mich trotzdem mal an eine sehr subjektive Liste der „Change Trends“ gewagt.

1. Workforce Transformation

Zu diesem „Jahrzehnt-Thema“ wird es noch viel Austausch geben, weil es eine Menge Unternehmen betrifft. Es werden insbesondere aufgrund der Digitalisierung und dem Einsatz entsprechender Technologien neue Kompetenzen notwendig sein. Solche Veränderungen sind sowohl für eine Organisation als auch für das Individuum ein enormer Kraftakt. Sie müssen begleitet werden. Aufgrund des Fachkräftemangels in vielen Bereichen sind Re- und Upskilling vor allem bei erfolgskritischen Jobs besonders wichtig.

Daneben geht es darum, in einem wettbewerbsintensiven Arbeitsmarkt neue Profile zu rekrutieren, während parallel Abbauprogramme stattfinden (können). Diese Gleichzeitigkeit von Personalaufbau und -abbau ist kein Widerspruch mehr. An dem Thema Workforce Transformation zeigen sich exemplarisch die hohen Anforderungen bezüglich des heutigen Gestaltens von Veränderungen in Organisationen.

2. New Way of Working

Die Mehrheit der Organisationen ist noch mittendrin oder fängt erst an, um das richtige Arbeitsmodell (der Zukunft) zu ringen – gemeinsam mit Betriebsräten, Führungskräften und Mitarbeitenden. Sind zwei, drei oder fünf Tage pro Woche mobiles Arbeiten möglich? Soll eine zentrale Regelung für alle getroffen werden oder entscheiden die Mitarbeitenden und/oder Teams zusammen mit der Führungskraft? Wie sieht der New Way of Working für die jeweilige Organisation bzw. die Teams aus? Diesbezüglich werden viele Unternehmen große Fragen entscheiden müssen, die massive Auswirkungen auf Kultur, Führung und die Art der Zusammenarbeit haben. Egal wie die Änderungen aussehen, in jedem Fall braucht es eine gute Change-Begleitung.

3. Lernen und Resilienz

Veränderungsfähigkeit gehört für die meisten Menschen in der Arbeitsgesellschaft zu den wichtigsten Kompetenzen, um zukunftsfähig zu bleiben. Veränderungen werden in immer kürzeren Zyklen auf uns zukommen. Hierfür braucht es ein gewisses Rüstzeug, um in einer dynamischen Welt gut bestehen zu können. Die Lust am Lernen sowie Resilienz sind ein Teil davon – und zwar nicht nur mit Blick auf Individuen, sondern ebenfalls mit dem Fokus auf Organisationen. Wie man diese Kompetenzen stärken kann und damit zum Teil einhergehend Verhaltens- und Kulturveränderungen begleitet, wird weiterhin ein großes Thema sein.

4. IT-Systeme

Noch stärker als in den vergangenen Jahren werden sich die Change-Experten und -Expertinnen mit großen Einführungen von Software, IT-Systemen und Technologieplattformen beschäftigen. Egal ob es ein ERP-System wie SAP S/4HANA, eine Digital-Workplace-Plattform oder ein cloud-basiertes HR-System ist: Meist geht es um gänzlich neue Prozesse, Kompetenzen sowie Verhaltensweisen, die auch Kultur verändern. Hier zielt eine Change-Begleitung unter anderem darauf, Ängste und Unsicherheiten zu adressieren, die Mitarbeitenden zu befähigen sowie erwünschtes Verhalten und neue Abläufe bestmöglich zu unterstützen.

5. Change Experience

Wie Mitarbeitende Veränderungen wahrnehmen und erleben, spielt für den Erfolg von Wandel eine große Rolle. Dennoch wird Change-Begleitung zum Beispiel bei Systemeinführungen zu oft nicht ernst genommen, wird Kommunikation vernachlässigt und fehlt das Bewusstsein für Change Experience. Das Ziel des positiven Erlebens von Veränderungen durch die Mitarbeitenden wird zukünftig sicherlich in der Breite stärker diskutiert werden. Zum positiven Erleben gehört beispielweise oft die Veränderung in Schritten, die Mitarbeitende einbezieht. Das kann zum Beispiel heißen, ein Projekt zunächst mit Pilotgruppen umzusetzen und mit deren Erfahrungen und Feedback weiterzuarbeiten. Eine solche Vorgehensweise werden sich auch mehr und mehr eher klassische Organisationen zu eigen machen. [JCW]

 

Klaus Doppler ist einer der profiliertesten Berater Deutschlands. Seit Jahrzehnten setzt er sich mit dem Thema Veränderungen auseinander und berät dazu Spitzenmanager und Unternehmenslenkerinnen. Im Interview „Ohne Change gibt es keine gute Führung“ spricht er über seine Erfahrungen mit Change und warum es nicht gut ist, Widerstand gegen Veränderungen zu ignorieren.