Christina Ackermann: Visualisierung. Die Kraft der Bilder (changement! Magazin 02/2025)

Visualisierung

Die Kraft der Bilder

Die Visualisierung spielt in der Veränderungsarbeit mittlerweile eine große Rolle. Sie ist oftmals sogar der Schlüssel für eine erfolgreiche Beratung, weil sie zum Beispiel für Kunden mehr Klarheit und Struktur bringt oder selbst bei komplexen Themen einen emotionalen Zugang ermöglicht.

Im Rahmen von Facilitation ist die Visualisierung eine unverzichtbare Methode geworden, insbesondere wenn es darum geht, einen Beratungs- und Transformationsprozess – beispielsweise in Workshops – zu unterstützen. Komplexität reduzieren, Übersicht schaffen, das Wesentliche herausstellen – genau das leisten visuelle Tools. Sie bringen Inhalte in eine erzählerische Form und machen diese schnell und leicht verständlich. Ob Prozessdarstellungen, Strategie- und Zielbilder oder Graphic Recording: Visualisierungen helfen, aus abstrakten Konzepten greifbare und ansprechende Formate zu entwickeln.

Möglichkeiten der Visualisierung und ihre Vorteile

1. Strategiebilder: vom Diagramm zum erzählerischen Bild

Die Entwicklung einer Strategie ist anspruchsvoll – doch die zusätzliche Herausforderung liegt in ihrer Vermittlung. Die gängige Strategievermittlung sieht oft so aus: Präsentationen mit übervollen Charts, voller Strategiehäuser und Prozesskaskaden. Eine grau-blaue Welt in Kästen und Pfeilen.

Dies fördert Desinteresse oder Überforderung bei denjenigen, die man doch für die Implementierung der Strategie eigentlich aufklären, mitnehmen und emotional ansprechen wollte.

Mit Visualisierungen zu einer besseren Strategiekommunikation. Wegweiser in 3 Richtungen: Welcome to our strategy, Our vision, The big why

Bild 1: Mit Visualisierungen zu einer besseren Strategiekommunikation / Copyright: Christina Ackermann

Strategiebilder bieten hier eine echte Alternative: Sie fassen Vision, Mission, Ziele und Werte in einem Bild zusammen und ermöglichen einen Blick auf das große Ganze. Gleichzeitig laden sie dazu ein, in Details wie Maßnahmen oder Wertschöpfungsketten einzutauchen.

Graphic Recording eines Vortrags

Bild 2: Graphic Recording eines Vortrags / Copyright: Straumann Group

Sie schaffen damit zusätzlich Wiedererkennbarkeit und Identifikation und können vielfältig eingesetzt werden – als Poster, in Präsentationen, auf der Website oder als Animation. Einige Unternehmen gehen einen Schritt weiter und lassen die Strategiebilder auf Wände malen – ein starkes Signal, das zeigt: „Das ist uns wichtig.“

2. Big Pictures: Orientierung im Unternehmen

Nicht nur in Transformationsprozessen, sondern auch im Alltag können „Big Pictures“ Orientierung bieten. Sie stellen Unternehmensstrukturen, Produktportfolios und Wertschöpfungsketten anschaulich dar – mit einem besonderen Fokus auf Sinn und Zweck. Mitarbeitende finden sich und ihren Tätigkeitsbereich im Bild wieder, was Identifikation und Zugehörigkeit fördert. Solche Darstellungen können analog und digital genutzt oder in Animationsfilmen eingebettet werden. Ein echtes Erfolgsmerkmal: Wenn Mitarbeitende das Bild so wertschätzen, dass es in Büros oder Besprechungsräumen einen festen Platz erhält.

3. Graphic Recording: Gegen die Vergänglichkeit von Workshops

Workshops hinterlassen oft flüchtige Eindrücke – Keynotes, Übungen und Dialogrunden verschwimmen schnell. Eine visuelle Dokumentation, die die Inhalte live während der Veranstaltung festhält, hilft, die Ergebnisse zu sichern. Die visuellen Zusammenfassungen sind leicht verständlich, können geteilt und weiterverarbeitet werden und schaffen einen klaren roten Faden.

Wer arbeitet wo mit wem? The Big Picture eines Unternehmens

Bild 3: Wer arbeitet wo mit wem? Big Picture eines Unternehmens / Copyright: C3 GmbH

Wie Visualisierung die Beratungsarbeit bereichert

Berater:innen, die selbst zum Stift greifen, können bereits mit einfachen Flipcharts Struktur und Übersicht schaffen.

Für komplexere Formate wie Graphic Recording oder Strategiebilder lohnt es sich, Expert:innen hinzuzuziehen.

Die Transformationsreise als Wandbild

Bild 4: Die Transformationsreise als Wandbild / Copyright: Landeskrankenhilfe V.V.a.G.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Visualisierung manchmal als ein „nice to have“ hinzugenommen wird, wenn das Budget dafür noch ausreicht. Oder man bucht sich ein Graphic Recording hinzu, um ein Event noch spektakulärer zu machen – aber das Zeichnen läuft dann irgendwo im Hintergrund ab. So verpasst man die Chance, die Zeichnung als Vermittlungsmedium zu nutzen, wie zum Beispiel durch eine gemeinsame Betrachtung des Bildes am Ende eines Workshops.

Typische Fallstricke vermeiden

Eine häufige Fehlannahme ist, dass ein Strategiebild allein den Erfolg garantiert. Ohne eine durchdachte Storyline, in die das Bild eingebettet und die mit den Werten des Unternehmens verbunden ist, wirkt es schnell oberflächlich.

Das Potenzial eines Graphic Recordings verpufft, wenn es lediglich als Hintergrundelement eingesetzt wird.

Stattdessen sollte es aktiv in die Veranstaltung integriert werden.

Visualisierung bringt Ordnung in die Komplexität moderner Beratungsarbeit. Sie reduziert nicht nur Komplexität, sondern motiviert, schafft Klarheit und fördert die Identifikation mit Prozessen und Zielen. Ob analog oder digital, am Flipchart oder in Form eines professionellen Strategiebildes: Visualisierung ist ein essenzielles Werkzeug, das Beratung und Transformationsmanagement auf ein neues Niveau hebt.

 

 

Autorin

Christina Ackermann
ist systemische Organisationsentwicklerin und Information Designerin. Als Beraterin unterstützt sie Unternehmen in Transformationsprozessen und entwickelt für die Strategiekommunikation Konzepte. Sie ist Co-Autorin von „Real Book of Work“ sowie Trainerin der becomebetter academy, wo sie mit Wort und Stift systemtheoretische Sichtweisen auf Organisationen vermittelt (Kontakt: hello@visualstrategies.de).
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