Beitragsbild: Was kann interne Change-Beratung leisten (und was nicht)?

Was kann interne Change-Beratung leisten?

(Und was nicht?)

Immer mehr Unternehmen bauen interne Change-Beratungseinheiten auf. Doch können diese innerhalb einer Organisation überhaupt erfolgreich sein? Wir haben nachgefragt.

 

Gespür für die eigene Organisation

„Ohne interne Change-Beratung wird es keine gelingende Transformation geben. Die bestehenden Beziehungen, das Wissen über das Unternehmen und die wichtigsten Stakeholder sowie das Gespür für die eigene Organisation sind für den Wandel essenziell. Das ist aber auch häufig die Achillesferse dieser Einheiten. Da sich die handelnden Personen als Teil des Systems offensichtlich in klaren Abhängigkeitsverhältnissen befinden, ist es häufig schwer, wirklich unabhängig und objektiv zu agieren. Es fehlt daher oft an Klarheit, Impact und Ausrichtung. Bewährt hat sich aus meiner Perspektive das geschickte Verknüpfen von internen und externen Perspektiven, um eine gelingende Transformation zu ermöglichen.“

Tobias Krueger
ist Gründer und CEO von Hello. Beta, einem Ökosystem mit dem Fokus auf Transformationsgestaltung. Er ist zudem Speaker und Prozessbegleiter. Zuvor war er viele Jahre für die Otto Group tätig.
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Es braucht Change-Kompetenz

„Zunächst einmal ist entscheidend, dass intern überhaupt ausreichend (aktuelle!) Change-Kompetenz vorhanden ist – das ist noch lange nicht selbstverständlich. Lineare Wasserfall-Pläne mit Kotter-Kurve und ein paar Seminare reichen nicht (mehr). Ich empfehle bei Kulturwandel-Prozessen immer, das grundlegende Design intern vorzudenken oder maximal in Co-Creation mit einer Beratung zu erarbeiten, die ein individuelles Konzept erstellt und nicht mit vorgefertigten Lösungen kommt. Allein aus Skalierungsgründen würde ich immer mit Externen arbeiten, diese aber sehr sorgfältig auswählen und Dinge wie beispielsweise Haltung oder Begrifflichkeiten gut abstimmen. Es braucht auch Kompetenz und einen guten Überblick über das Feld, um gute Berater:innen auszuwählen. Ansonsten besteht die Gefahr, das Zepter für das Vorhaben ganz aus der Hand zu geben, und das kann nicht im Interesse des Unternehmens und der nachhaltigen Begleitung der Veränderung sein.

Maike Küper
ist Beraterin für Organisations- und Kulturentwicklung sowie Agile Coach. Vor ihrer Selbstständigkeit war sie unter anderem Organisationsentwicklerin bei Dr. Oetker.
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Zwei Seiten derselben Medaille

„Der größte Nachteil einer internen Change- Beratung ist: Sie ist nie neutral. Ein unbefangener Blick und Rat werden zwar gerne postuliert, aber in der Praxis weder durchgehalten noch im Ergebnis erreicht. Hierbei mangelt es nicht an der guten Absicht und professionellen Herangehensweise interner Change-Berater:innen. Diese sind in der Regel gut ausgebildet, hoch motiviert und mit guten Absichten am Werk. Die internen Change-Berater:innen können sich aber weder zügig noch nachhaltig aus ihrer Verbindung zum gegebenen Organisationsrahmen freimachen. Denn das ausgerufene Ziel wird, einfach gesprochen, im Lichte der eigenen Erfahrung beurteilt. Dieser nicht von der Hand zu weisende Nachteil wird von externen Change-Beratern angeführt, die sich um Beauftragungen durch die im Wandel befindenden Organisationen bemühen.
Der größte Nachteil ist aber auch der größte Vorteil der internen Change-Beratung: Sie ist nicht neutral. Es sind zwei Seiten derselben Medaille. Interne Change-Berater:innen agieren und denken auf Basis ihrer eigenen Erfahrungen in der Organisation. Ein ausgerufenes Ziel wird mit dem tiefen Wissen zu wirksamen Erfolgsfaktoren bezüglich der bestehenden Kultur bewertet, Konsequenzen für betroffene Mitarbeitende zügig und treffsicher abgeschätzt. Während externe Change-Berater:innen gegebene Rahmenbedingungen erst aufwendig erheben müssen, kennen interne Change-Berater:innen relevante Gegebenheiten gut. In Summe kann dies ein entscheidender Erfolgsfaktor sein, der auch dazu führt, dass die eigene Change-Beratung in der Organisation – je nach Zielstellung – mehr Vertrauen genießt.

Sarah Schroeder
ist Bereichsleiterin der Unternehmensentwicklung, des Projektmanagements und Prozessmanagements bei der Nürnberger Versicherung
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